Istanbul: Patriarch Bartholomäus glaubt an Reformeifer von Franziskus

Der griechisch-orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus I. glaubt, dass mit dem neuen Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Franziskus I., ein Reformprozess der gesamten Institution einhergehen wird. Langfristig könnte das sogar zu einer Wiedervereinigung der Kirchen in Ost und West führen.

„Wahrscheinlich nicht mehr in meinem Leben“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den griechisch-orthodoxen Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus I., „Aber ich glaube, es ist eine Chance für die nächsten Generationen, die Kirchen von Ost und Westvereint zu sehen.“  Bartholomäus I. war in der vergangenen Woche bei der Amtseinführung von Papst Franziskus I. in Rom zugegen. Seine Gegenwart gilt als historischer Schritt. Seit 1054 war das nicht mehr vorgekommen (mehr hier).

Bartholomäus I. nutzte seinen Besuch in der heiligen Stadt, um Franziskus I. bei dieser Gelegenheit auch gleich zu einer Visite in Istanbul einzuladen. „Wir glauben, Papst Franziskus wird den Christen und der gesamten Menschheit dienen. Wir haben ihn in unser Patriarchat eingeladen.“ Bereits die letzten drei Päpste waren offiziell Gäste des Patriarchats (mehr hier).

Papst hat „Kapazität“ den Vatikan zu reformieren

Kurz nach seiner Rückkehr aus Italien sprach Bartholomäus I. nun als Ehrengast bei einem Mittagessen an der Kadir Has Universität in Istanbul über die Eindrücke der ersten Bezeugung einer Amsteinführung seit 959 Jahren. Seiner Meinung nach unterscheide sich Franziskus I. sehr von seinen Vorgängern. Er, so Bartholomäus I. weiter, habe die „Kapazität“ den Vatikan zu reformieren.

Die durchwegs positiven Einschätzungen des Patriarchen kommen nicht von Ungefähr. Zwar verbrachte dieser nur einige Tage im Vatikan, doch zu dessen großer Überraschung bekam er nicht nur kurz die Gelegenheit, Franziskus I. zu sehen, sondern erhielt durch den Argentinier auch die Einladung zu einem gemeinsamem Essen mit den Kardinälen im Gästehäus, welches er obendrein auch noch segnen durfte. Ursprünglich war nur die Teilnahme an seiner ersten Predigt in San Pietro sowie eine Zusammenkunft mit anderen religiösen Führern vorgesehen. Das gemeinsame Essen am Abend seiner Ankunft nutzte der Papst, um rund zweieinhalb Stunden mit den Anwesenden nicht nur über die Annäherung zwischen den östlichen und westlichen Kirchen, sondern auch über Umweltthemen, Bartholomäus‘ Fachwissen und Fragen der Armut zu sprechen.

Franziskus I. gibt sich als einfacher Hirte

Daneben, so schreibt das Blatt weiter, habe Bartholomäus I. eine ganze Reihe weiterer, interessanter Beobachtungen machen können. Eine der markantesten in diesem Zusammenhang war sicher der Umstand, dass Franziskus I. nicht wie seine Vorgänger die roten päpstlichen Schuhe trug. So zog er es vor, seine eigenen, einfachen schwarzen Schuhe und statt eines aufwändigen Kreuzes, lieber ein schlichtes anzulegen. Beeindruckt habe auch, dass er die Menge auf dem Petersplatz kurz nach seiner Wahl mit einem einfachen „Guten Abend“ wie einer von ihnen begrüßte.

All das wird nun als Zeichen für einen Wandlungsprozess gewertet. Auch einige Kardinäle, so das Medium, werden ihre Posten wahrscheinlich räumen müssen.Dies stünde dann in der dirketen Konsequenz des bahnbrechenden Rücktritts von Benedikt XVI. Doch es gibt auch andere, wichtige Schritte. Schon jetzt steht ein nächstes Treffen zwischen dem Patriarchen und Papst Franziskus fest. Die beiden werden sich in der Zeit vom 4. bis 6. Januar 2014 während des orthodoxen Weihnachtsfestes in Jerusalem treffen. Genau 50 Jahre zuvor, im Jahr 1964, hatten das Paul VI und Athenagoras an gleicher Stelle getan. Darüber hinaus hofft man in Istanbul den Papst am Halki Seminar begrüßen zu dürfen. Dieses war 42 Jahre lang geschlossen.

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