Olympia 2020: 94 Prozent der Istanbuler sind dafür

Auch wenn der Blick auf die „Nachwehen“ der Olympischen Spiele in London zu denken geben sollten: Die hiesige Bevölkerung steht so gut wie geschlossen hinter der Kandidatur Istanbuls für die Spiele im Jahr 2020. Die Zustimmung, so der Chef der Bewerbungskommitees, sei weder in Madrid noch in Tokio derart hoch.

„Wir haben unsere Messungen gemacht und diese an das IOC [Internationales Olympisches Komitee] übermittelt. Das Zustimmungsniveau weist einen positiven Trend auf. In der letzten Befragung erreichten wir 94 Prozent“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Hasan Arat, Chef des türkischen Bewerbungskommitees zu Beginn einer viertägigen Inspektion Instanbuls durch eine Delegation des Internationalen Olympischen Komitees. Derzeit befinden sich nur noch drei Städte im Rennen um das sportliche Mega-Event. Andernorts sieht die Bevölkerung eine Kandidatur aber offenbar kritischer. Wie das Blatt berichtet, sollen rund 76 Prozent der Bevölkerung von Madrid und etwa 70 in Tokio dafür sein.

Nach einem Grußwort von Präsident Abdullah Gül, besuchte die IOC-Delegation mehrere wichtige Anlagen, einschließlich des 76.000 Sitzplätze fassenden Atatürk Olympia Stadions, das bereits im Zuge einer vorangegangenen Bwerbung errichtet wurde. Inspiziert wurde daneben das 52,000 Plätze fassende Zuhause von Galatasaray, das Seyrantepe Stadion. Erreicht wurde das Stadion über eine noch nicht öffentlich zugängliche U-Bahn-Linie.

Türkei hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt

Zuletzt fand eine solche Inspektion im Jahre 2001 mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 statt. Der erste Tag mit der aktuellen Delegation, so Arat, soll extrem „fruchtbar“ verlaufen sein. „Seit dem letzten IOC-Besuch hat die Türkei eine Menge getan. Die Türkei hat sich in der Vergangenheit bereits vier Mal als Entwicklungsland beworben, jetzt stellt es sich der Bewerbung als entwickeltes Land“, fasst Arat zusammen. Man habe trainiert und gearbeitet wie ein Olympischer Athlet. Die Türkei habe sich entwickelt und sei gewachsen, gleichzeitig habe man zugehört und gelernt. Für die Austragung einer solchen Veranstaltung sei man absolut bereit.

Bereits an diesem Montag, den 25. März, wolle sich die Delegation mit dem türkischen Finanzminister Mehmet Şimşek treffen. Einen Tag später stünde eine Zusammenkunft mit Tourismus- und Kulturminister Ömer Çelik sowie Verkehrsminister Binali Yıldırım auf der Agenda. Daneben werde der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan die Delegation zu einem Essen empfangen.

Ob der Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 als Fluch oder Segen betrachtet werden kann, darüber scheiden sich die Geister. Wenn es nach der Türkei geht, wäre der schon viel früher erfolgt. Das Land signalisiert auf allen Kanälen: Wir sind bereit. Doch die Medaille hat auch hier eine Kehrseite. Zwar lief beim jüngsten Gastgeber London im Sommer 2012 alles glatt, nachhaltig vom sportlichen Mega-Event profitieren konnte man allerdings nicht.

Olympia 2020 als Belastungsprobe für Istanbul

Schon kurz nach dem Ende der Olympischen Spiele 2012 zeigte sich, dass teure Hotels und eingeschränkte Mobilität während der Olympischen Spiele auf viele Touristen abschreckend gewirkt hatten. Ob sich optimistische Prognosen, wie etwa von Visa Europe, tatsächlich bewarheiten und bis 2015 mehr als fünf Milliarden Pfund, umgerechnet fast acht Milliarden Dollar, durch die Olympischen Sommerspiele an zusätzlicher Wirtschaftsleistung in die britischen Kassen gepumpt werden, scheint fraglich (mehr hier).

Auch für Istanbul könnte das Sport-Spektakel am Ende zur Belastungsprobe werden. So warnte der deutsche Sportjournalist Jens Weinreich bereits Anfang des Jahres: „Jacques Rogge war 2001 mit dem Versprechen angetreten, die Olympischen Spiele bezahlbarer und nachhaltiger zu machen. Auch mit diesem Vorhaben ist er gescheitert.“ Denn in seiner Ära stünden Athen (Sommer 2004), Peking (Sommer 2008), Sotschi (Winter 2014) und Rio de Janeiro (Sommer 2016) für olympischen Gigantismus. Allenfalls in Vancouver (Winter 2010) und mit großen Abstrichen in London (Sommer 2012) sei nachhaltig agiert worden. „(…) selbst in London begann alles mit einer großen Lüge über die Kosten, als die Regierung in der Bewerbungsphase ein entsprechendes Gutachten verheimlichte.“ (mehr hier).

Die Entscheidung fällt während der IOC-Vollversammlung am 7. September in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires (die Bewerbung erfolgte im August 2011 – mehr hier).

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