Energiewirtschaft: Israel und Türkei wollen Kooperation vertiefen

Israel und die Türkei könnten schon bald ein gemeinsames Erdgas-Pipeline-Projekt ins Leben rufen. Die Chancen dafür stehen gut. Denn derzeit ist die türkische Zorlu Holding ohnehin auf dem israelischen Energiemarkt tätig und könnte sogar eine Vermittler-Rolle zwischen beiden Ländern einnehmen. Doch noch liegen keine handfesten Pläne auf dem Tisch.

Nach der Entschuldigung Netanjahus bei seinem Amtskollegen Erdoğan für die neun getöteten Türken der Mavi-Marmara, erwartet der Vorsitzende der Zorlu Holding, Ahmet Nazif Zorlu, eine enge türkisch-israelische Kooperation im Energie-Sektor. Die Entschuldigung sei zwar verspätet gekommen, doch müssen beide Staaten in die Zukunft schauen.

Die türkische Zorlu Holding ist eines der einflussreichsten Unternehmen im israelischen Energie-Sektor. „Wir errichten derzeit in der Region Aschkelon ein Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) mit einer Kapazität in Höhe von 800 MW. Weitere GuD-Kraftwerke errichten wir in Aschdod und Ramat Negev“, zitiert die Milliyet den türkischen Geschäftsmann. Ein zusätzliches Solar-Energie-Projekt stecke derzeit in der Planungs-Phase.

Es könnte auch schon bald zum Bau einer Erdgas-Pipeline zwischen Israel und der Türkei kommen. Erdgas-Vorkommen aus dem Mittelmeer sollen über jene – angeblich geplante -Pipeline über die Türkei nach Europa transportiert werden.

Michael J. Koplow vom US-amerikanischen Foreign Policy Magazine ist der Ansicht, dass die Türkei ein großes Interesse daran habe, seine derzeitige Energie-Abhängigkeit zu minimieren. Bei einem gemeinsamen Erdgas-Projekt mit Israel, hätte die Türkei ein Mitspracherecht und könnte Einfluss auf das Preisniveau nehmen. Der Hauptgrund für das türkische Leistungs-Bilanz-Defizit sind die hohen Preise, die das Land für ihre Erdgas-Importe aus Russland zahlen muss.

Damit nicht genug, denn die türkische Wirtschaft wird zunehmend abhängiger von ausländischen Energieressourcen (mehr hier). Das verwundert nicht. Denn das enorme Wirtschaftswachstum des Landes erhöht die Nachfrage nach Erdöl, Erdgas und Kohle. 2012 berichtete die BP, dass die Türkei zu den größten Erdgas-Konsumenten der Welt gehöre (mehr hier).

2006 lag die türkische Nachfrage nach Erdgas noch bei 30 Milliarden Kubikmeter. Derzeit liegt sie bei ungefähr 43 Milliarden Kubikmeter. Bis zum Jahr 2020 soll die Nachfrage auf 62 Milliarden Kubikmeter ansteigen. Das geht aus einer Präsentation des türkischen Erdöl & Erdgas Ingenieurs, Göktuğ Diker, hervor.

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