Türkischer Geistlicher: Zwei Drittel der Menschheit ist islamophob

Der Chef des türkischen Amtes für Religiöse Angelegenheiten ist in Sorge: Rund zwei Drittel der Menschheit, so Mehmet Görmez, hätten mittlerweile Angst vor dem Islam. Schuld daran hätten seiner Ansicht nach die politischen Akteure.

„Islamophobie ist eine Krankheit in den Herzen von zwei Dritteln der Menschheit geworden“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den Chef des Amtes für Religiöse Angelegenheiten, Mehmet Görmez, während eines Treffens mit religiösen Führern in der westtürkischen Provinz İzmir. Derzeit, so seine Überzeugung, stünde man vor verschiedenen Herausforderungen gegen den Islam.

Die Massenmedien, so Görmez weiter, hätten vor allem die jungen Menschen in ihren Bann gezogen. Die Folge: Nicht nur ihre Sprache habe sich verändert, sondern auch das Verständnis ihrer Leser. „Mit den Definitionen von vor zehn Jahren können wir nicht weitermachen“, gibt er einen Hinweis darauf, dass auch seine Institution sich entwickeln und künftig anders lehren müsse.

10 % der Christen erleiden Nachteile wegen Religion

Seinem Eindruck von einer zunehmenden Islamophobie steht jedoch ein anderer Umstand entgegen. Denn die meistverfolgte Religion weltweit ist derzeit eine andere: Etwa 200 Millionen Christen müssen weltweit Nachteile wegen ihrer Religionszugehörigkeit hinnehmen. Dies sind etwa zehn Prozent aller Christen. Zu diesem Ergebnis kommt Rupert Shortt von der Oxford Universität, der zu dem Thema einen Bericht mit dem Titel „Christianophobia“ vorgelegt hat. Neben Nachteilen im bürgerlichen Leben und Einschränkungen in der Ausübung der Religion müssen Christen demnach vor allem dort auch um Leib und Leben fürchten, wo sie sich inmitten einer muslimischen Mehrheitsgesellschaft finden. Von 20 beanstandeten Ländern sind zwölf solche mit islamischer Mehrheitsbevölkerung. Erstaunlich an der Untersuchung von Shortt ist übrigens die Begründung der westlichen Eliten für die Weigerung, die weltweite Christenverfolgung ernst zu nehmen: Man fürchte, sich dem Vorwurf des „Rassismus“ auszusetzen, wenn man die Christen verteidigt, analysiert der Forscher (mehr hier).

Medien schüren Vorurteile gegen Muslime

Sein Eindruck zum Thema Medien wurde hingegen erst kürzlich in Deutschland bestätigt. So hat der Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) erst Mitte März dieses Jahres die 30-seitige Kurzstudie: „Muslime in der Mehrheitsgesellschaft: Medienbild und Alltagserfahrungen in Deutschland“ veröffentlicht. Das gemeinsam mit der Stiftung Mercantor erarbeitete Ergebnis: Nach wie vor herrscht eine „große Kluft zwischen negativem Medienbild von Zuwanderern und weitgehend positiver Alltagserfahrung in der Einwanderungsgesellschaft“. Bewegen sich die Redaktionsstuben allerdings nicht, könnten negative Einstellungen bald auch auf den Alltag überschwappen (mehr hier).

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