Nackter Protest: Tunesische Aktivistin wohlbehalten wieder aufgetaucht

Aufatmen in Tunesien: Die vermisste Aktivistin Amina Tyler, die ihren Protest provokant auf der nackten Brust im Internet zur Schau gestellt hatte, ist offenbar wohlbehalten zuhause. Das teilte ihr Anwalt an diesem Montag mit.

„Ich habe sie gestern gesprochen. Amina sagte mir, dass es ihr gut gehe und sie bald wieder zur Schule gehen werde“, so ihre Anwältin Bochra Belhaj Hmida im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Die junge Frau, die sich selbst Amina Tyler nennt, hat für eine Kontroverse in Tunesien gesorgt, nachdem sie feministische Parolen im Internet gepostet hatte. Besonders pikant: Diese waren quer über ihre nackte Brust geschrieben. Das Ganze, so schreibt auch die türkische Hürriyet, geschah vor zwei Wochen. Das Ziel der zierlichen Dunkelhaarigen: Mehr Bewusstsein für die sich zusehends verschlechternde Lage der Frauenrechte in Tunesien. Auch die Entwicklung in Ägypten ist besorgniserregend (mehr hier).

https://www.youtube.com/watch?v=poJMo31C1hU

Kurz danach, so berichtet France24, gab es Befürchtungen, dass Amina verschwunden sein könnte, nachdem man tagelang nichts von ihr gehört hatte. Todesdrohungen gegen sie waren laut geworden. Andere behaupteten, ihre Eltern hätten sie in die Psychiatrie eingewiesen. Die Spekulationen führten darauf hin zu einer Welle der Solidarität im Netz. Dutzende Frauen veröffentlichten in Folge dessen Fotos, auf denen sie Freiheit für die 19-jährige forderten. Ende 2011 löste ebenfalls ein Foto eine breite Debatte in der Türkei aus (mehr hier).

Die Idee hatte sich Amina von der ukrainischen Frauenorganisation Femen abgeschaut. Diese ist seit 2010 für ihre barbusigen Aktionen bekannt. Mittlerweile ist die Gruppierung in mehreren Ländern aktiv. Seit den 1950er Jahren hatten Frauen in Tunesien mehr Rechte, einschließlich des Rechts, die Scheidung einzureichen, als diese sie in anderen arabischen Ländern genossen haben. Mittlerweile gibt es aber zunehmend Befürchtungen, dass die regierende islamistische Partei Ennahda diese Errungenschaften zunichte machen könnte.

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