Nach Netanjahus Entschuldigung: Kommen jetzt auch die israelischen Touristen wieder?

Noch sind die türkisch-israelischen Beziehungen ein zartes Pflänzchen. Die Entschuldigung von Premier Netanjahu wegen des Mavi-Marmara-Vorfalls 2010 ist keine Woche her. Schon jetzt gibt es aber vor allem eine Branche, die hofft, noch in diesem Sommer von den wieder aufkeimenden Verbindungen zu profitieren: Der Tourismussektor.

Seit Jahren sind die Zahlen israelischer Touristen in der Türkei rückläufig. Zuletzt besuchten gerade einmal 30.000 das Land. Diesen Sommer, so berichtet die türkische Zeitung Sabah, seien die Hoffnungen in der Branche groß, dass sich das wieder ändere. Grund sei die Entschuldigung des israelischen Premiers Netanjahu bei seinem türkischen Amtskollegen Erdoğan am Freitag vergangener Woche (mehr hier).

Bereits im Jahr 2008, so das Blatt, seien die Zahlen israelischer Touristen im Land abgeflacht (mehr hier). Hintergrund war damals der Auftritt des türkischen Premiers, der den israelischen Präsident Shimon Peres während des Weltwirtschaftsforums in Davos beschuldigte, Menschen zu töten. Nach den dramatischen Ereignissen im Mai 2010 kamen die Touristenströme schließlich fast vollständig zum erliegen.

Ziel: Mehr als 600.000 israelische Touristen

2008 kamen noch rund 600,000 Israelis in die Türkei. Insgesamt fahren Jahr für Jahr rund vier Millionen Israelis ins Ausland. 2012 waren es schließlich nur noch gut 30.000 Besucher, die den Weg in die türkischen Urlaubsgebiete fanden. Netanjahus jüngster Schritt sowie die aktuellen Bemühungen um die Lösung des Kurdenproblems rücken die Türkei nun allerdings wieder in eine Position als sicheres und bequemes Urlaubsziel für israelische Touristen. Für die israelische Zeitung Haaretz sei jedenfalls klar, dass es 2013 zu einer wahren Explosion der Touristenzahlen kommen könnte. TÜRSAB-Vorsitzender Başaran Ulusoy hoffe sogar, dass die Marke von 600.000 überschritten werden könnte. Denn die israelischen Gäste würden die Türkei nicht nur für einen längeren Aufenthalt nutzen. Das Land sei zudem ein Tor gen Westen. Von hier aus ginge es für sie auch bequem weiter nach New York oder London.

Im vergangenen Jahr hatte die Türkei erstmals nicht an der israelischen Tourismusmesse teilgenommen. Gefüllt wurde diese Lücke jedoch von Griechenland und dem griechischen Teil Zyperns. Nach Angaben von Ulusoy würden die Bemühungen nun allerdings wieder aufgenommen. Türkische Reisebüros würden bereits an Touren für israelische Gäste arbeiten.

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