Wo sind die Landärzte? Grundversorgung vielerorts massiv gefährdet

Immer weniger junge Mediziner wollen Hausarzt werden. Auf dem Land werden praktische Ärzte bereits dringend gesucht. Die KBV empfiehlt, dass die Tätigkeit eines niedergelassenen Haus- und Facharztes schon im Studium eine stärkere Rolle spielen müsse.

Nur sehr wenige junge Mediziner wollen Hausärzte werden, obwohl es einen zunehmenden Mangel gibt. Im Jahr 2012 waren von den mehr als 10.000 Ärzten, die nach der Ausbildung ihre Weiterbildung abschlossen, laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) nur 949 Hausärzte, so wenige wie seit Jahren nicht. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir in zehn Jahren vor einem Desaster stehen“, zitiert der Onlinedienst nordbayern.de den KBV-Vorstand Regina Feldmann.

Auch in anderen Bereichen der Grundversorgung wie der Chirurgie oder der Orthopädie gebe es immer weniger Ärzte. Feldmann warnt: „Bei Hausärzten, Augen-, Haut- und Hals-Nasen-Ohrenärzten geht zunehmend der Nachwuchs aus und die Weiterbildungsabschlüsse sinken.“

Das Problem liegt laut KBV bei der universitären Ausbildung. Angehende Ärzte würden in den Unis zu wenig über die ärztliche Grundversorgung erfahren. Der alltäglichen ambulanten Versorgung von Patienten müsse in der Ausbildung mehr Bedeutung beigemessen werden. „Wir brauchen weniger potenzielle Nobelpreisträger, sondern mehr Ärzte für die Versorgung der Patienten vor Ort“, sagte Roland Stahl, Pressesprecher der KBV, den Deutschen Gesundheits Nachrichten.

In Deutschland gibt es derzeit rund 60.000 Hausärzte. Allerdings würden bis zum Jahr 2020 mehr als 40.000 niedergelassene Ärzte altersbedingt ausscheiden, so Stahl. Ärztlicher Nachwuchs werde daher dringend benötigt. Wenn kein Nachwuchs nachkomme, „ist auf Dauer die Grundversorgung insbesondere im ländlichen Raum gefährdet“, warnt Stahl.

Die KBV drängt daher auf Reformen in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten. Die Tätigkeit eines niedergelassenen Haus- und Facharztes müsse schon im Studium eine stärkere Rolle spielen, so Stahl. So solle das Interesse der Mediziner für eine Tätigkeit als Hausarzt geweckt werden.

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