Zunehmendes Vertrauen: Standard & Poor’s stuft Türkei nach oben

Die internationale Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit der Türkei um eine Stufe auf BB + hochgestuft. Der jetzige Schritt wird als Zeichen des wachsenden Vertrauens in die türkische Wirtschaft gewertet.

Standard & Poor’s gibt das langfristige Fremdwährungsrating der Türkei nun mit BB+ an. Der wirtschaftliche Ausblick wird als stabil bewertet. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman. In einer am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Erklärung betonte S & P, dass die Türkei in den Prozess der Neuausrichtung ihrer Wirtschaft wäre.

Einen positiven Effekt auf die Bewertung des Landes würde zudem die Lösung der Kurdenfrage sein. Demnach würden Fortschritte in der Kurdenfrage auch zu einem Rückgang bei den sicherheitsrelevanten Ausgaben führen und zugleich den grenzüberschreitenden Handel in der Türkei erhöhen.

Der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek nahm die Heraufstufung wohlwollend zur Kenntnis. Im Gespräch mit dem privaten TV-Sender NTV bezeichnete er die Entscheidung als erfreulich, betonte jedoch, dass die Türkei seiner Ansicht nach eine höhere Einstufung verdiene. -Als BB+ werden spekulative Anlagen bezeichnet. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen.

Standard & Poor’s und Erdogan auf Konfrontationskurs

Im vergangenen Januar erklärte Standard & Poor’s die Türkei auch ohne eine vertragliche Grundlage bewerten wollen (Kreditnoten vergeben Ratingagenturen gegen Zahlung einer vertraglich festgelegten jährlichen Gebühr). Umfassende Dienste solle die Türkei hingegen nicht in Anspruch nehmen können. Im Mai 2012 stufte Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit der Türkei von positiv auf stabil ab. Als Grund wurde das Handelsbilanzdefizit der türkischen Republik angegeben (mehr hier).

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan reagierte damals erbost und äußerte sein Unverständnis über die Herabstufung seines Landes, während Griechenland gleichzeitig hochgestuft wurde. Anschließend ließ er verkünden, dass man den jährlichen Vertrag auslaufen lassen wolle. Hohe Schulden und geringe Exportzahlen der Türkei hatten zu einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit geführt. Erdogan bezeichnete das als „ideologische Entscheidung“.

Bewertung durch Fitch sorgt für Aufschwung

Im vergangenen November mischte sich dann die Ratingagentur Fitch ein und stufte die Kreditwürdigkeit der Türkei erstmals seit 18 Jahren wieder herauf (mehr hier). Der „Investment Grade“-Status türkischer Staatsanleihen lautete damit „durchschnittlich gute Anlage“ und „investitionswürdig”, nachdem sie zuvor noch die ganze Zeit über als hochspekulative beziehungsweise als Ramsch bewertet worden waren. Daraufhin erreichten die Aktienkurse in Istanbul ein Rekordhoch. Moody’s hielt sich Ende Januar noch bedeckt. Die Ratingagentur hatte verkündet, dass es derzeit weder zu einer Herauf- noch Herabstufung der türkischen Bonität kommt. Jedoch ist die Ausgangslage für eine künftige Heraufstufung durchaus stabil (mehr hier).

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