Russischer Mufti: Soziales Engagement bewahrt Jugend vor Extremismus

Islamische Organisationen in Russland sollten junge Muslime dazu anhalten, sich an sozial orientierten und karitativen Aktivitäten zu beteiligen. Nur so könnten sie nach Ansicht von Ildar Bayazitov, stellvertretender Mufti der überwiegend islamischen Republik Tatarstan, vor Radikalisierung und Extremismus geschützt werden. Das Appell kommt nicht von Ungefähr: Gerade in der Wolga-Region ist ein Trend zur Ausweitung des radikalen Islams festzustellen.

Die Sinnhaftigkeit sozialer bzw. karitativer Tätigkeiten geht für Ildar Bayazitov noch über die Bewahrung vor Radikalisierung und Extremismus hinaus.  „Gesellschaftlich nützliche“ Aktivitäten könnten seiner Ansicht nach auch helfen, um soziale Spannungen abzubauen. Das berichtet die russsiche Nachrichtenseite RIA Novosti.

Prioritäten in Sachen Hilfe sollten nach Ansicht des Geistlichen auf Drogenabhängige, Gefängnisinsassen, Behinderte, große oder unvollständige Familien, ältere Menschen und Waisen gelegt werden. „Der Fokus in den offiziellen muslimische Rhetorik in unserem Land sollte sich nicht auf politische Fragen im Zusammenhang mit dem Islam konzentrieren, sondern auf dessen gesellschaftlich nützliches Potenzial“, so Bayazitov. Denn die radikale Protest-Stimmung unter den religiösen Jugendlichen rühre nicht selten von ungelösten sozialen Problemen sowie einem wahrgenommenen Mangel an sozialer Gerechtigkeit.

Trend zur Ausweitung des radikalen Islams

Sein Appell kommt nicht von Ungefähr: Das Nationale Anti-Terror-Komitee erklärte bereits im vergangenen Oktober, dass es einen Anstieg in der Zahl der Extremismus-Verbrechen in der Wolga-Region, wozu auch Tatarstan gehört, sowie einen Anstieg in der Höhe der latenten interethnischen und interreligiösen Spannungen gebe.  „Es gibt einen Trend zur Ausweitung des radikalen Islams in muslimischen konzentrierten Siedlungen in der Wolga-Region“, so der Komitee-Vertreter Dmitry Muryshov.

Bis vor einiger Zeit wurde Tatarstan als ein Modell für interethnische und interreligiöse Harmonie im ethnisch bunten Russland angesehen. Das änderte sich jedoch im vergangenen Juli mit dem Angriff auf den moderaten muslimischen Führer,  Mufti Ildus Faizov, der dabei schwer verletzt wurde. Sein ehemaliger Stellvertreter Valiulla Yakupov starb bei einem Attentat.

Kreml fährt Doppelstrategie

Erst Anfang März dieses Jahres war bekannt geworden, dass die russische Regierung den Hochschulbetrieb im Bereich der islamischen Theologie vereinheitlichen und reformieren möchte. Russische Muslime und Christen mit Interesse am Islam, sollen ihre theologische Ausbildung ausschließlich in Russland erhalten. Doch derzeit gibt es immer noch zu viele russische Muslime, die an Universitäten in Saudi Arabien und Ägypten studieren und radikalisiert werden. Der Kreml zielt darauf ab, den russischen Islam in Einheit mit den nationalen Interessen der Russischen Föderation zu bringen. Dabei wird eine Doppelstrategie gefahren. Zum Einen versucht Moskau, den Zulauf zum Salafismus zu unterbinden. Zum Anderen werden schon längst radikalisierte und gewalttätige Islamisten mit Waffen bekämpft. In den vergangenen zwei Monaten haben russische Sicherheitskräfte insgesamt 50 Salafisten getötet.

Mehr zum Thema:

Islamisches Bankwesen: Russische Muslime entdecken alternatives Finansystem für sich
Oligarch Michail Prochorow: Wird er der nächste russische Präsident?
Moskau: Islamische Theologie als Waffe gegen den radikalen Islamismus

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.