Wendepunkt in Myanmar: Ab 1. April 2013 gibt es Tageszeitungen

Bisher haben sich unabhängige Nachrichten in und aus Myanmar vor allem über Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter verbreitet. Jetzt stehen die Reporter des Landes vor einem echten Umbruch. Ab dem 1. April dieses Jahres soll es endlich wieder Tageszeitungen geben.

Bereits seit zwei Jahren ist in Myanmar eine reformistische Regierung an der Macht. Bisher sahen archaischen Regeln jedoch vor, dass private Titel nur einmal in der Woche veröffentlicht werden dürfen. Ab 1. April dieses Jahres soll sich das ändern. Dann werden 16 wöchentlichen Blättern eine tägliche Publikation gestattet. Es ist das erste Mal nach über 50 Jahren, dass Myanmar wieder private Tageszeitungen erlaubt. Bisher gibt es nur die Staatsblätter „New Light auf Myanmar“ und „The Mirror“. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Die Menschen sind wirklich aufgeregt, nun endlich Tageszeitungen zu haben. Ich mache mir jedoch Sorgen, ob ihre Hoffnungen zu 100 Prozent erfüllt werden, wenn die Blätter erst einmal auf dem Markt sind“, zitiert die Hürriyet Nyein Nyein Naing, Chefredakteur von 7day News, eine der beliebtesten Zeitschriften Myanmars.

Schon jetzt würden sich die Leute jeden Morgen am Straßenrand treffen, um die neuesten, unzensierten Nachrichten aus den diversen Wochenzeitungen zusammen zu tragen. Tägliche News, das sei eine völlig neue Erfahrung für eine Bevölkerung, die nach Jahrzehnten unter einer repressiven Junta, die die Medien beschnitten hat, besonders hungrig nach Informationen sei.

Private fürchten staatliche Blätter ganz und gar nicht

Die englischsprachige staatliche Zeitung „New Light of Myanmar“ ist nun auf der Suche nach einem privaten Partner. Mittlerweile versucht das Blatt mit Klatsch über Hollywood-Stars wie Scarlett Johansson zu punkten statt wie einst mit schrillen Ausrufen wie „Anarchie erzeugt Anarchie, keine Demokratie“ zu polarisieren. Die Privaten fürchten die noch immer Propaganda lastige staatliche Konkurrenz jedenfalls nicht. „Unsere Zeitschrift veröffentlicht unabhängige Nachrichten, die von den Menschen kommen und diese auf dem Laufenden halten. (…) Ich glaube nicht, dass wir  Grund zur Sorge haben“, so Nyein Nyein Naing.

Wie sehr die hiesige Presselandschaft im Umbruch steckt, fasst auch Deutschlandradio Kultur zusammen: „Die Pressezensur für Printmedien ist abgeschafft, es gibt zwar immer noch die Zensurbehörde, aber die Angst der Journalisten vor den Zensoren verfliegt erfreulich schnell.“ Dutzende unabhängige Wochenzeitungen würden mittlerweile offen über die aktuellen Konflikte in Myanmar berichten. Die Regierung unter Präsident Thein Sein könne Fehlverhalten nicht mehr geheim halten. Zuletzt drangen wieder erschütternde Berichte über Ausschreitungen gegen Muslime an die Öffentlichkeit  (mehr hier). Das Fazit: „Für die Journalisten heißt es nun zu lernen, mit den neu gewonnenen Freiheiten verantwortlich umzugehen.“ So wurde etwa gerade erst eine Art Presserat gegründet. Zuletzt zeigte sich Amnesty International auch besorgt über die Meinungsfreiheit in der Türkei (mehr hier).

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