Deutsche Allianz war nur der Anfang: Boom im türkischen Versicherungssektor erwartet

Nach der Ankündigung der Allianz-Versicherung, einen Vorvertrag zum Kauf der Versicherungs- und Pensions-Sektionen der türkischen Yapı Kredi Bank unterschrieben zu haben, könnte der türkische Versicherungssektor nun auf eine Phase der Konsolidierung zusteuern. Analysten sind überzeugt: Hier werden weitere Deals folgen.

Wie Anfang dieser Woche bekannt wurde, steht Europas führendes Versicherungsunternehmen Allianz kurz vor einer Übernahme der Versicherungs-Sektion der türkischen Yapı Kredi Bank, Yapı Kredi Sigorta. Zudem soll das deutsche Unternehmen die Mehrheits-Anteile des Pensionsgeschäfts der Yapı Kredi Emeklilik erwerben. 950 Millionen Euro will sich die Allianz das Geschäft kosten lassen. 94 Prozent des Versicherungs- und Pensions-Geschäfts liegen in den eigenen Händen der Yapı Kredi Bank. Die restlichen sechs Prozent sind im Streubesitz (mehr hier).

Türkei gilt als „unterversichertes Land“

Dieser Deal, folgert nun die Financial Times, macht die Allianz zum größten Nicht-Lebens-Versicherer und größten privaten Altersvorsorgeträger in der Türkei hinsichtlich der Portfolio-Größe sowie zum drittgrößten Lebensversicherer. Doch Analysten prognostizierten schon jetzt, dass es zu weiteren Angeboten kommen könnte. Immerhin bietet die Türkei reichlich Gelegenheit für Wachstum, gilt sie doch als ein ziemlich „unterversichertes Land“.

Kommt das Geschäft mit der Yapı Kredi Bank tatsächlich zustande, würde die Allianz rund 15 Prozent des türkischen Nicht-Lebens-Versicherungsmarktes halten und damit die bisherigen Branchenführer Axa und Aandolu hinter sich lassen. Gleichzeitig würde sich das deutsche Unternehmen mit einem künftigen Marktanteil von 21 Prozent beim Pensionsgeschäft vor Anadolu, das derzeit 20 Prozent hält, schieben. Bei den Lebensversicherungen würde man es mit elf Prozent immerhin noch auf Rang drei schaffen.

Versicherungsanbieter müssen auf Skaleneffekte hoffen

Doch bei allem Optimismus gibt es natürlich auch eine Schattenseite. Denn trotz seiner Schlagkraft, könnte der Allianz nach Ansicht von Analysten ein harter Kampf bevorstehen. Schließlich gelte es, die Türken in erster Linie von der Notwendigkeit, eine Versicherung abzuschließen, zu überzeugen. „Die Wahrnehmung des Risikos ist in der Türkei niedrig, entsprechend also auch dessen Schlagkraft und Rentabilität. Versicherungsanbieter müssen also auf Skaleneffekte hoffen“, so Recep Demir, Versicherungs-Analyst bei der Istanbuler Garanti Securities. Schon jetzt boomen hingegen private Sicherheitsfirmen (mehr hier).

Umso wichtiger erscheint es vor diesem Hintergrund, dass der Deal zwischen der Allianz und dem Versicherungssektor der Yapı Kredi Bank eine 15-Jahres-Vereinbarung vorsieht, gemäß der das türkische Unternehmen in dieser Zeit die Allianz-Produkte exklusiv vermarktet. Das sei eine wichtige Überlegung, so Demir und weist darauf hin, dass einer der Gründe für die geringe Rentabilität des türkischen Versicherungssektors in seiner veralteten Marktstruktur liege. „60 Prozent der Versicherungen werden immer noch über Versicherungsmakler verkauft, die sich ihren Anteil an den Prämien nehmen.“ Anders als etwa im europäischen Ausland hätten die Türken auf diesem Gebiet bisher wenig übrige für Online- und Televerkauf. Versicherungen also auch weiterhin über Bankfilialen und Webseiten anzubieten, erweise sich als guter Weg, um die Profitabilität zu steigern.

Risikobewusstsein der Türken im Wandel

Gerade bei den Banken des Landes sieht der Fachmann noch erheblichen Spielraum. Hier erwartet er weitere Fusionen und Übernahmen. Derzeit, so informiert auch die FT, liege das Verhältnis von Versicherungsprämien am BIP nur geringfügig über einem Prozent. Das sei niedriger als im übrigen Europa, mit Ausnahme von Griechenland.

Das geringe Risikobewusstsein der türkischen Bevölkerung befände sich jedoch gerade im Wandel. Geschuldet sei dies zum Teil einer besseren Umsetzung der Rechtsvorschriften bezüglich der obligatorischen Formen der Versicherungen wie Kfz- und Erdbeben-Versicherung. Darüber hinaus liege das auch an Veränderungen im Konsumverhalten der überwiegend jungen Türken, die vermehrt mit Kreditkarten einkaufen und sich neuere Häuser anschaffen würden. Abgesehen davon würde sich auch die Versicherungs-Produktpalette immer weiter diversifizieren.

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