Mavi-Marmara: Wie viel Entschädigung muss Israel zahlen?

Nach der offiziellen Entschuldigung Israels für den Tod von neun türkischen Staatsbürgern muss nun eine Summe für die Entschädigungszahlungen für die Familien der Opfer festgelegt werden. Um darüber zu sprechen, werde am 12. April eine israelische Delegation in die Türkei reisen, erklärte der türkische Ministerprädient Recep Tayyip Erdoğan.

Schon in der kommenden Woche würden Verhandlungen zu dem Thema beginnen, bestätigte auch Vize-Premier Bülent Arinc. Doch über die Höhe der Entschädigungen wird kein Wort verloren.

Der Nachrichtensender Haberturk legt allerdings mehrere Fälle vor, die bei den Verhandlungen zu den Zahlungen als Vorbild dienen sollen. Dazu gehöre angeblich der Fall der 1991 in Bingöl von der PKK entführten amerikanischen Archäologen Ronal Wyatt und Marvin Wilson. Wyatt, der einige Jahre nach der 21 Tage andauernden Geiselnahme an Krebs verstarb, wurde vor Gericht von seiner Witwe vertreten. Da die Terrororganisation und auch PKK-Füher Öcalan zu dem Zeitpunkt in Syrien Unterschlupf hatten, wurde Syrien von einem US-Gericht zu insgesamt 338 Millionen Dollar Entschädigung verurteilt.

Ein anderer in Betracht zu ziehender Fall sei der Lockerbie-Anschlag. Hierbei starben 1988 275 Passagiere eines Flugzeugs bei einem Bombenanschlag. Da es sich bei den Attentätern um Libyer handelte, musste Libyen für jeden der Passagiere 10 Millionen Dollar zahlen.

Doch auch ein israelischer Vorfall sei entscheidend. Als Israel 1967 versehentlich ein US-Schiff angriff, wurden 34 Menschen getötet und 171 verletzt. An die Familien der Getöteten sollten 3,3 Millionen Dollar und an die verletzten 3,5 Millionen Dollar gezahlt werden. Aufgrund der Sachschäden erklärte sich Israel zudem bereit sechs Millionen Dollar an die USA zu zahlen.

Woher Haberturk die Informationen darüber hat, dass diese Vorfälle Teil der aktuellen Verhandlungen seien, lässt der Sender allerdings offen.

Für Israel ist derzeit jedoch auch viel wichtiger, dass die laufenden Anklagen gegen israelische Militärs fallen gelassen werden. Doch, wenn dies aufgrund des Einschreitens der türkischen Regierung geschähe, würde dies die Gewaltenteilung in der Türkei in Frage stellen. Beteiligte schließen solch ein Szenario aus. „Es steht nicht zur Debatte, dass die Regierung den laufenden Prozess am Istanbuler Gericht beenden könne“, erklärte einer der Anwälte, der die Interessen der Opfer vor Gericht vertritt, der Nachrichtenagentur AFP.

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