Köroğlu: Türkischer „Robin Hood“ aus Bolu soll Weltmarke werden

Köroğlu, der türkische Volksheld aus dem 16. Jahrhundert, wird oftmals als türkischer Robin Hood bezeichnet. Tatsächlich gibt es historische Überschneidungen. Beide hatten den Anspruch sich gegen die Tyrannei der etablierten politischen Kräfte aufzulehnen. Ein anderes Merkmal war ihre klare Parteinahme für die Armen und Unterdrückten. Doch Köroğlu war literarisch und musikalisch weitaus talentierter als Robin Hood. Nun soll er eine Weltmarke werden.

Der Oberbürgermeister der Stadt Bolu, Alaaddin Yılmaz, sagt, dass zu Ehren des türkischen Volkshelden Köroğlu (dt. Sohn des Blinden), ab dem Sommer 2013 ein alljährliches Festival in seiner Stadt stattfinden werde. „Köroğlu ist ein Volksheld und das Wahrzeichen unserer Stadt. Er ist auf unserem Wappen und in unserer Volksliteratur verankert. Doch niemand kennt ihn außerhalb der Turk-Staaten“, zitiert die Tageszeitung Bolu Gündem den Oberbürgermeister.

Deshalb habe er im Rahmen einer Kommission aus lokalen Wirtschafts-Vertretern und Amtsträgern einen Plan entworfen, um Köroğlu bekannter zu machen. Der Plan sieht neben dem alljährlichen Köroğlu-Festival auch durchgehende kulturelle Aktivitäten vor.

Das geplante Köroğlu-Festival werde Film- und Theater-Vorführungen, Konzerte mit Volks-Liedern zu Köroğlu, Bogenschützen- und Reit-Wettbewerbe und Gedicht-Vorträge beinhalten. Des Weiteren werde ein Dokumentarfilm und ein Trickfilm über Köroğlu produziert. Auch eine Buch-Gallerie soll eingerichtet werden. Zudem wolle man mit den Turk-Staaten zusammen arbeiten.

In Planung seien auch ein Köroğlu Museum, eine neue große Köroğlu-Statue, ein Köroğlu-Park und ein Archiv mit der Zusammenfassung aller historischer Dokumente und Nachweise über Köroğlu. „Wir zielen darauf ab, Köroğlu zu einer weltweit bekannten Marke zu machen und Kultur-Touristen anzuziehen“, meint Alaaddin Yılmaz. Köroğlu sei ein Kulturerbe.

Doch wer genau ist dieser sagenumwobene Köroğlu?

Köroğlu war ein türkischer Barde und Dichter, der im 16. Jahrhundert seine Stimme gegen die Tyrannei durch den regionalen osmanischen Fürsten „Bolu Bey“ erhob. Sein eigentlicher Name war Ruşen Ali. Wie Robin Hood soll er auf seinen Raubzügen das Hab und Gut des Establishments erkämpft und unter den Armen in der türkischen Bevölkerung verteilt haben. Doch anders als Robin Hood zeichnen Köroğlu die Fähigkeit zur Poesie und Lyrik aus. Aus einer Feder stammen eine Reihe von Kurzgedichten und Volkslieder.

Das Schlüsselereignis für seinen Aufstand gegen die osmanischen Herrscher soll die Blendung seines Vaters gewesen sein. Beim vorangegangenen Streit zwischen seinem Vater und dem Bolu Bey ging es um die Ansprüche des Bolu Bey auf das Privat-Eigentum seines Vaters.

Das Köroğlu-Epos ist nicht nur in der Türkei bekannt, sondern neben allen Turk-Staaten auch in den Kulturkreisen der Georgier, Armenier, Tadschiken, Kurden und Persern.

Es gilt als Sinnbild für den Kampf der anatolischen Türken gegen die Bevormundung durch die Vertreter des Sultans. Es geht einher mit den Celali-Aufständen (Bauern-Aufstände) aus dem 16. Jahrhundert im Osmanischen Reich, die in eine Zeit von weit verbreiteten Hungersnöten und gleichzeitiger Tyrannei einher fielen. Grund für die soziale und wirtschaftliche Misere war die hohe Besteuerung der anatolischen Bauern. Denn anders konnte der Sultan seine Feldzüge nicht finanzieren.

Köroğlu war einer der führenden Figuren der Celali-Aufstände. Exemplarisch für seine Haltung und seine Fähigkeiten als Führer ist ein Auszug aus seinem Gedicht  „Donnerhall“. Dort heißt es: „Von seiner Burg schießt man den Pfeil, Gott schütze euch und geb euch Heil . Denn von Köroğlus Kriegsgeschrei. Erdröhnt die Welt wie Donnerhall“. Eine Stimme gegen das Unrecht, welches seine Aktualität weltweit nicht verloren hat.

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