Trotz US-Sanktionen: Türkisch-iranisches „Gold für Gas“-Geschäft läuft munter weiter

Die Türkei zeigt sich von strikteren US-Sanktionen gegen den Iran nach wie vor unbeeindruckt. Allein im vergangenen Februar exportierte sie Gold in Wert von rund 120 Millionen Dollar. Das Spiel „Gold gegen Gas“ läuft munter weiter, wenn auch unterhalb des letztjährigen Höchststandes.

Der Versuch von Seiten der USA, den finanziellen Rettungsanker Teherans auszumerzen, ist offenbar fehlgeschlagen. Nach wie vor floriert das „Gold für Gas“-Geschäft mit Ankara direkt vor den Augen des Westens, der den Iran auf Grund seines Atomprogramms vom internationalen Bankensystem weitestgehend isoliert hat (mehr hier). So heißt es zwar von Seiten des türkischen Statistik Instituts (TUIK), dass die Türkei im Januar kein Gold in den Iran verkauft habe, da Banken und Händler erst den 6. Februar und die damit verbundenen neuen US-Sanktionen, die eine striktere Kontrolle über Edelmetall-Verkäufe nach sich ziehen sollten, abwarten wollten. Doch im Februar sah das mit rund 120 Millionen Dollar schon wieder ganz anders aus. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate

Die Vereinigten Staaten, so Reuters weiter, räumten der  Türkei demnach eine sechsmonatige Befreiung von den Sanktionen gegen den Handel mit Iran ein, die voraussichtlich im Juli auslaufen solle. Banken und Händler seien aber immer noch vorsichtig. So habe die Türkei nach Angaben des TUIK im vergangenen Februar Gold im Wert von 117.9 Millionen Dollar an den Iran verkauft, während gleichzeitig die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate, die in der Vergangenheit als Transitstrecke nach Teheran gedient hatten, von 371 auf 402.3 Millionen Dollar anstiegen.

„Auf Grund der Sanktionen will niemand Aufmerksamkeit erregen. Das könnte der Grund dafür sein, dass die Exporte in den Iran im vergangenen Januar gestoppt wurden“, zitiert Reuters einen Istanbuler Goldhändler. Der Handel mit dem Iran gehe jedoch weiter. Transfers werde es immer geben. Die Zahlen von diesem Februar seien jedoch recht niedrig, sodass das zu keinen Problemen führen sollte.

Kuriere beförderten Goldbarren in Millionenwert

Die monatlichen Goldverkäufe der Türkei an den Iran erreichten ihren Höhepunkt im vergangenen Juli mit 1,8 Milliarden Dollar (mehr hier). Damals war von einer Verzehnfachung im Vergleich zum Vormonat die Rede. Die Türkei ist der größte Erdgaskunde des Iran. Der Iran wurde in Türkischen Lira bezahlt, da auf Grund der Sanktionen Dollar oder Euro nicht in Frage kamen. Die Iraner wiederum nutzten dieses Geld dann, um türkisches Gold zu kaufen. Goldbarren im Wert von Millionen von Dollar kamen so mittels Kurieren und im Handgepäck nach Dubai, wo sie dann für Fremdwährung verkauft oder in den Iran gebracht werden konnten.

Die Türkei ist nach wie vor stark abhängig von ausländischen Energieimporten. Doch während sie die Erdöl-Lieferungen aus dem Iran immens zurückgeschraubt hat, ist ihr das beim Erdgas nicht möglich. Am 6. Februar dieses Jahres erhöhten die USA nun noch einmal ihren Sanktionsdruck auf den Iran. Wie das US-Finanzministerium in Washington seinerzeit mitteilte, war eine Strafmaßnahme in Kraft getreten, die es dem Iran erschweren sollte, auf Einnahmen aus Ölverkäufen im Ausland zuzugreifen. Teheran könne, so hieß es, das Geld zwar in dem Land, an das es Öl verkaufe, für Güter ausgeben, dieses allerdings nicht mehr auf heimische Konten überweisen. Sanktionen gab es darüber hinaus auch für staatliche Rundfunkunternehmen und deren Verantwortliche, die die iranische Opposition zensierten.

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