Brände von Stuttgart und Köln: Bekir Bozdağ fordert Ermittlungen in alle Richtungen

Der stellvertretende türkische Premier Bekir Bozdağ hat die Herangehensweise der deutschen Behörden bei den jüngsten Brandfällen in der Bundesrepublik scharf kritisiert. Zu schnell würde ein rechtsextremer Hintergrund ausgeschlossen werden. Wie groß das Misstrauen nicht nur bei ihm mittlerweile ist, zeigte bereits die Katastrophe von Backnang am 10. März.

Nur wenige Wochen nach der Feuerkatastrophe von Backnang mit acht Toten ist das Misstrauen hinsichtlich der Vorgehensweise der deutschen Behörden offenbar neu entfacht (mehr hier). Bei einem Feuer in einem Kölner Wohnhaus starben am vergangenen Samstagabend ein 30-jähriger Deutscher und eine 19 Jahre alte Frau aus dem Kosovo. Das Gebäude in Köln-Höhenberg war jedoch überwiegend von Türken bewohnt. Insgesamt wurden 26 Menschen verletzt. 13 mussten sich zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus begeben, darunter auch türkische Mitbürger.

Lehren aus den NSU-Morden ziehen

Grund genug für den stellvertretenden türkischen Premier Bekir Bozdağ vor Journalisten in Ankara noch einmal nachzuhaken. „Ob in Stuttgart oder Köln, bei jedem dieser Brände muss immer ein rechtsradikaler Neonazi-Hintergrund vermutet und genau untersucht werden, ob es sich um Brandstiftung handelt oder nicht“, zitiert ihn die türkische Zeitung Zaman. Zu selten, so seine Kritik, würden die Deutschen einen rechtsextremen Hintergrund in Erwägung ziehen. So hätte man auch bei der Mordserie der rechtsextremen Gruppe NSU die Täter jahrelang nur in den Opfer-Familien gesucht, nur um dann doch festzustellen, dass das die Taten von Neonazis gewesen seien. Seine Folgerung: Allein schon deshalb sollten die deutschen Ermittler bei Hausbränden stets auch die Möglichkeit eines rechtsradikalen Hintergrunds im Auge behalten.

Die türkische Regierung jedenfalls sei nun wachsam. Wer„ fünf Minuten“ nach Ausbruch eines Brandes erkläre, das habe nichts mit Neonazis zu tun, mache sich lächerlich. Auch sei es schwer, in den jüngsten Fällen zum Beispiel an Probleme mit der Elektrik zu glauben. Ohnehin frage man sich, warum in Deutschland immer nur Brände in Häusern von Türken ausbrächen. Schon im Fall von Backnang mahnte die DITIB jedoch zur Besonnenheit (mehr hier).

Kölner Staatsanwaltschaft weist Vorwürfe zurück

Die zuständige Kölner Staatsanwaltschaft, so berichtet unterdessen der Kölner Stadt-Anzeiger, wehre sich gegen die Vorwürfe aus der Türkei. Mutmaßungen, dass der Brand nichts mit Neonazis zu tun habe, hätte man, anders als von Bozdağ behauptet, nicht verbreitet. „Wir ermitteln ergebnisoffen“, zitiert das Blatt den Kölner Oberstaatsanwalt Alf Willwacher.

https://www.youtube.com/watch?v=qL9s7QU1pGg

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