EU-Minister Bağıs: Der Islam ist europäische Realität

Der Islam ist eine Realität für die Europäische Union, so der türkische EU-Minister Egemen Bağış. Wenn die Europäer ihre Köpfe hier weiterhin in den Sand steckten, würden sie nirgendwohin gelangen. Besonders im Blick hatte der türkische Politiker hierbei Frankreich.

„Islamophobie ist in Frankreich und in ganz Europa sichtbarer als der Islam“, so der türkische EU-Minister Bağış mit Blick auf die jüngsten Äußerungen von Marine Le Pen, Vorsitzende der nationalistischen Front National (FN), dass der Islam in Frankreich „sichtbarer“ als je zuvor sei. Man kenne, so zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet, die Aussagen von Frau Le Pen über die Türkei und die dortigen Werte, aber man gebe nicht zu all zu viel darauf.

Etwa elf Prozent der Bevölkerung Frankreichs sei muslimisch und acht bis neun Prozent der Bevölkerung der EU-Mitgliedsstaaten seien Muslime. Bis 2030 werde sich dieser Wert europaweit auf gut 15 Prozent steigern. Dass der Islam in der Europäischen Union Realität sei, das habe bereits der einstige Bundespräsident Christian Wulff festgestellt. Wenn sie jetzt den Kopf in den Sand steckten, kämen sie nirgendwohin, so Bağış weiter.

Le Pen kann EU-Beitrittswunsch nicht verstehen

In einem kürzlichen Interview hatte Marine Le Pen erklärt, dass sie
kein Problem mit der Türkei hätte. Doch das Hauptproblem in Frankreich die „Sichtbarkeit“ des Islams wäre. Aktuellen Umfrageergebnissen zufolge empfinden sogar gut die Hälfte der Franzosen Muslime als Bedrohung (mehr hier). Für Le Pen gehört der Islam entsprechend gar nicht zu Frankreich (mehr hier). Darüber hinaus, so erklärte sie darin weiter, sei sie gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Ohnehin könne sie nicht verstehen, warum das Land Teil einer Gemeinschaft sein wolle, aus der jeder heraus wolle.

Bereits im Jahr 2010 erklärte der damalige Bundespräsident Christian Wulff, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Ein Ausspruch, der eine breite und kontrovers geführte Debatte nach sich zog. Zwei Jahre später wurde er dann vom neuen Amtsinhaber Joachim Gauck korrigiert. Im Gespräch mit der ZEIT erklärte dieser, den Satz so nicht übernehmen zu können. „ (…) die Wirklichkeit ist, dass in diesem Lande viele Muslime leben (…) Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“

Politik des Türkei-Bashing funktioniert nicht mehr

Nach Ansicht von Bağış wäre es jedoch hilfreicher, wenn man versuchen würde, die wahre Botschaft des Islam zu verstehen, nämlich Frieden, Brüderlichkeit und Mitgefühl. Die Krise, die Europa derzeit durchlebe, sei ein Zeichen dafür, dass man sich nicht auf dem richtigen Weg befinde. So sollte auch Frau Le Pen lieber mit der französischen Öffentlichkeit sprechen. Sie sollten sehen, dass das Spiel der Politik gegen die Türkei nicht mehr funktioniere.

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