Russischer Guttenberg: Hat der Kinderrechtsbeauftragte Pavel Astakhov beim Doktor geschummelt?

Der umstrittene russische Kinderrechtsbeauftragte Pavel Astakhov, einer der Hintermänner des Verbots von US-Adoptionen, sieht sich aktuell mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Ihm wird zur Last gelegt, Teile seiner Doktorarbeit kopiert zu haben.

Aufgebracht wurden die Vorwürfe gegen Pavel Astakhov vom russischen Oppositionsjournalisten Sergei Parkhomenko. Dieser, so berichtet unter anderem die türkische Zeitung Hürriyet, habe eine detaillierte Analyse von Astakhovs Doktorarbeit auf seinem Blog veröffentlicht und behauptet, dass Teile der Arbeit schlicht abgeschriebenseien. Der russische Kinderrechtsbeauftragte hat inzwischen reagiert und die aufgestellten Behauptungen als „erbärmlich“ zurückgewiesen. Seiner Ansicht nach müsse der Journalist dringend zu einem Psychoanalytiker.

Konkret geht es um eine Doktorarbeit Astakhovs, die dieser 2006 in Moskau an der Universität des Innenministeriums verteidigt hat. Die damit einhergehende Qualifikation ist für seine jetzige Position zwar nicht ausschlaggebend, gilt jedoch als äußerst prestigeträchtig. Das Urteil von Parkhomenko ist jedoch vernichtend. Die Arbeit sei „praktisch vollständig gefälscht“, so der Journalist, der derzeit von einem 80-prozentigen Plagiat ausgeht.

Im Gespräch mit Vesti FM Radio stellt Astakhov wiederum heraus, dass die Behauptungen auf einer „absolut unprofessionellen Pseudo-Untersuchung, die nur Mitleid provoziert“ beruhe. „Das ist Material für einen Psychoanalytiker“, so seine Empfehlung in Richtung seine Kontrahenten.

Astakhov, ein russischer Rechtsanwalt, der vor seiner Ernennung zum Kinderrechtsbeauftragten sogar eine TV-Show sein Eigen nennen konnte, widmet derzeit seine ganze Aufmerksamkeit der Notlage russischer Kinder, die bei Pflegeeltern in den USA leben.  Er gilt auch als Unterstützer des umstrittenen Verbots aller US Adoptionen russischer Kinder. Einige sind sogar überzeugt, dass es sich bei ihm sogar um einen der Ideengeber für das kontrovers diskutierte Gesetz handle. Erst im vergangenen Februar beschuldigte Astakhov eine Texanerin des Mordes an ihrem Adoptivsohn, obschon die Untersuchungen durch die US-Behörden noch gar nicht abgeschlossen gewesen waren. Später stellte sich heraus, dass es ein tragischer Unfall war.

Untersuchung durch Plagiats-Software und Internet-User

Ins Visier von Parkhomenko, so schreibt das türkische Medium weiter, sei jedoch nicht nur Astakhov geraten. Darüber hinaus hätte der Journalist zahrleiche weitere Dissertationen von mehreren Beamten der regierenden Partei Geeintes Russland veröffentlicht. Seine Erkenntnisse basierten dabei auf zwei Säulen: Zum einen den Forschungen von Internet-Nutzern, zum anderen auf einer Anti-Plagiats-Software. „Die Software zeigt an, welche Texte verglichen werden müssen. Dann gehen Internetnutzer an die Arbeit und finden die plagiierten Abschnitte. Jeder kann es tun“, so der Reporter zur Nachrichtenagentur AFP. So zeige die Analyse der Astakhov Dissertation etwa, dass Dutzende von Seiten aus den Werken von Rechtsanwälten außerhalb von Moskau, die nicht in der Bibliographie auftauchten, genommen wurden.

Dass die alleinige Anwendung von Plagiatssoftware in der Tat nicht der Weisheit letzter Schluss ist und der russische Journalist die Sache richtig angegangen ist, darauf weist in einem anderen Zusammenhang auch die Informatikprofessorin Debora Weber-Wulff von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft in einem Vortrag über die Plagiatserkennung in der Wissenschaft hin. Alles in allem, so berichtet hierzu die Frankfurter Allgemeine Zeitung, gehe eben doch nichts über einen menschlichen Prüfer, der aufmerksam lese und Google zu bedienen wüsste. Denn solche Programme wären, abgesehen einmal von einer wörtlichen Kopie, schnell überfordert. Paraphrasen oder gar übernommene Argumentationsketten würden gar nicht erst erkannt. Zudem bestünde die Gefahr, dass die Software während ihrer Suche nach Kopien schon bei gängigen Wortfolgen anspringe.

So auch geschehen im Fall Theodor zu Guttenberg. „Auf 94,4 Prozent der übrigen Seiten und in 63,8 Prozent der Zeilen hatten die menschlichen Plagiatsjäger von ‘GuttenPlag Wiki‘ Plagiate ausgemacht. Die Plagiatssoftware gebe aber nur eine Quote von fünf Prozent aus, die man als Zufallsrauschen abtun würde.“

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