Verkehrschaos in Istanbul: Schlimmer ist es nur in Moskau

Heftiger geht es derzeit nur in Moskau zu: In einer Studie des Anbieters von Navigationsprodukten und -diensten TomTom kommt die türkische Millionenstadt Istanbul weltweit auf Platz zwei, was ihre Verkehrsdichte angeht. In Deutschland liegt Stuttgart ganz vorne.

Im Schnitt benötigen Istanbuler Autofahrer für eine Strecke rund 55 Prozent mehr an Zeit, als sie dafür eigentlich einkalkulieren müssten. Und das selbst während der ruhigeren Verkehrszeiten. Während der klassischen Stoßzeiten steigt die Staurate dann noch einmal deutlich an. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Insgesamt hat TomTom die Situation in 120 Städten weltweit unter die Lupe genommen. Ausgewertet wurden die Staus in den Städten zu unterschiedlichen Zeiten des Tages und an verschiedenen Tagen der Woche. Besonders schlimm ginge es in Istanbul demnach in den Morgenstunden zu – dann steige die Staurate auf 80 Prozent. Noch heftiger sei die Situation allerdings am Abend. Dann komme es zu Überlastungsraten von 125 Prozent. Methodisch wurden Reisezeiten während der Nicht-überlasteten Perioden mit Fahrtzeiten zu Stoßzeiten verglichen. Die Differenz wurde dann als prozentuale Zunahme der Fahrtzeit ausgedrückt. Berücksichtigt wurden dabei örtlichen Straßen, Hauptverkehrsadern und Autobahnen.

Alle Daten basieren auf tatsächlichen GPS-basierten Messungen. Im Schnitt würden die Menschen in der Stadt jährlich ganze 118 Stunden im Straßenverkehr stecken.

33 Prozent: In Stuttgart tobt der Verkehr

Getoppt wird Istanbul nur von einer russischen Megacity. In Moskau liegt die durchschnittliche Verlängerung der Reisezeit nicht bei 55, sondern gar bei 66 Prozent. Auf den nachfolgenden Rängen finden sich Warschau, Marseille und Palermo. Mitt 33 Prozent weist Sidney den höchsten Wert in ganz Australien auf. Vergleichbar ist dieser mit Rom oder Stuttgart, der deutschen Stauhauptstadt. Ähnlich ist die Situation in Los Angeles. Sie ist eine der verkehrsreichsten Städte in Nordamerika, mit ebenfalls einer Rate von 33 Prozent.

In der Studie wurde die gesamte Netzlänge der Verkehrswege in Istanbul auf rund 2.000 Kilometer berechnet. Autobahnen machten 401 km aus während einfache Straßen mehr als 1.600 Kilometer des Netzes bestritten. Die Studie umfasse 99,5 Prozent der gesamten Stadt, so TomTom Türkei-Manager Enis Yücesan. Seiner Ansicht nach liege die Lösung des Verkehrsproblems nicht in der Verbindung zwischen den beiden Kontinenten, sondern eher im Anschluss von Straßen auf der asiatischen Seite. Derzeit arbeitet Istanbul bereits an einigen Großprojekten, darunter etwa ein Kanal für Autos, der unter dem Bosporus hindurch führt. Auch eine dritte Brücke soll entstehen. Die Zeit drängt. Denn in Istanbul kommen derzeit täglich mehr als 800 neue Fahrzeuge hinzu (mehr hier).

Erst Mitte Oktober 2012 hatte TomTom die bis dato jüngsten Ergebnisse seines so genannten Congestion Index vorgestellt, der die Situation in europäischen Städten zwischen April und Juni 2011 untersuchte. Die türkische Metropole nahm in dieser Staustudie den Spitzenplatz ein. Nirgendwo war der Verkehr so dicht wie am Bosporus (mehr hier).

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