30 Jahre Unruhen: Terrorismus kostet die Türkei 300 Milliarden Dollar

Der Erfolg der aktuellen Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und der Terrororganisation ist auch aus ökonomischer Sicht von höchster Bedeutung. In den vergangenen 30 Jahren hat der Zwist die Türkei rund 300 Milliarden US-Dollar gekostet. Eine Summe, die nicht wenige Investitionen des Landes auf der Strecke bleiben ließen.

Mit dem traditionellen Gongschlag hat der türkische Premier  Recep Tayyip Erdoğan am vergangenen Freitag die neue Istanbuler Börse eröffnet. Die Zusammenlegung des Aktien- und Goldmarktes zur „Borsa İstanbul“ (mehr hier) nutzte dieser auch, um noch einmal auf ein drängendes Problem des Landes aufmerksam zu machen: Den Erfolg der aktuellen Friedensverhandlungen mit der Terrororganisation PKK. Der Terrorismus, so stellte er im Zuge der Eröffnung heraus, habe die Türkei in den vergangenen fast 30 Jahren rund 300 Milliarden US-Dollar gekostet. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Angst vor Terror blockierten Investitionen

„Der Terror hat Menschenleben gekostet und auch die Wirtschaft attackiert. Ich hoffe, dass wir mit unseren derzeitigen Friedensverhandlungen nicht nicht nur Leben retten können, sondern auch die Wirtschaft ankurbeln werden“, so Erdoğan. Auf Grund der durch Terror verursachten Ängste, fährt er fort, seien viele Investitionen im Land versäumt worden.

Die türkische Regierung und die Terrororganisation PKK sind bereits vor einigen Monaten in eine neue Phase der Friedensverhandlungen eingetreten, in denen sie sich ganz auf den Dialog mit dem inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan konzentriert. Eine Entwicklung, die auch von Seiten der EU mit Wohlwollen beobachtet wird (mehr hier).

Dass die Türkei sich in der Tat nicht ausruhen darf, zeigen jüngste Meldungen. Wie das Türkische Statistikamt (TÜIK) in der vergangenen Woche mitteilte, ist das türkische Wirtschaftswachstum im Jahr 2012 um 6,6 Prozent gesunken. Die Wirtschaftskonjunktur verlor damit erheblich an Schwung. Das TÜIK erklärte, dass es enorme Ausfälle beim Außen- und Innenhandel gegeben habe. Ausschlaggebend seien die schwache Binnen-Nachfrage und die Schulden-Krise in Europa gewesen. Im vierten Quartal 2012 hatte die Türkei eine Wachstumsrate des Brutto-Inlands-Produkts (BIP) in Höhe von 1,4 Prozent vorzuweisen. Doch die durchschnittliche Erwartung für das vierte Quartal lag zu Beginn des Jahres noch bei 2,7 Prozent. Das Ergebnis ist als niedrigste quartals-abhängige Wachstumrate seit 2009 einzustufen. Eine weitere Talfahrt gilt derzeit als wahrscheinlich

Klare Anweisungen in neuem Öcalan-Brief?

Derzeit, so berichtet CNN Türk, befände sich ein Brief des PKK-Chefs auf dem Weg ins Kandil-Gebirge im Nordirak, wo sich die bewaffneten PKK-Anhänger aufhalten. Dieser wurde an die beiden BDP-Männer Sırrı Süreyya Önder und Selahattin Demirtaş übergeben, die ihn nun übermitteln sollen. Bisher gab es durch Öcalan keine klaren Anweisungen zum Rückzug und zur Entwaffnung der PKK (mehr hier). Mit dem aktuellen Schreiben, so kündigte Demirtaş bereits in der vergangenen Woche an, solle sich das aber ändern.

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