Zahl der syrischen Flüchtlinge steigt dramatisch: Geht der UN bald das Geld aus?

Zwei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs im türkischen Nachbarstaat Syrien sind nicht nur ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht. Die Vereinten Nationen hegen auch Befürchtungen, dass die Mittel nicht ausreichen könnten, um die Menschen zu versorgen. Die aktuellen Zahlen haben alle bisherigen Erwartungen überschritten.

Die Versorgungslage für syrische Flüchtlinge spitzt sich immer weiter zu. (Foto: FreedomHouse/flickr)

Die Versorgungslage für syrische Flüchtlinge spitzt sich immer weiter zu. (Foto: FreedomHouse/flickr)

Die Vereinten Nationen haben am vergangenen Freitag ihre bisher deutlichste Warnung herausgegeben, dass die finanziellen Mittel, um die syrischen Flüchtlingsströme gen Jordanien und andere Nachbarstaaten zu versorgen, bald zur Neige gehen könnten. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. „Die Bedürfnisse sind exponentiell gestiegen und wir sind pleite“, bringt Unicef-Sprecherin Marixie Mercado die Lage während einer Konferenz in Genf auf den Punkt.

Ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge habe mittlerweile alle Erwartungen der UN übertroffen. Mit 1,25 Millionen Flüchtlingen, davon etwa Dreiviertel Frauen und Kinder, lägen die Zahlen rund zehn Prozent über den bisherigen Prognosen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Dazu kämen gut 3,6 Millionen Menschen, die innerhalb Syriens auf der Flucht seien. Damit befinden sich rund ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht. Und ein Ende des Exoduses ist nicht in Sicht.

Allein seit Beginn des Jahres 2013 seien täglich mehr als 2000 Syrer über die Grenze nach Jordanien geströmt. Bis Juli erwartet Mercado eine Verdoppelung, bis Dezember gar eine Verdreifachung dieser Zahlen. Bis Ende dieses Jahres würden ihrer Ansicht nach nur in Jordanien etwa 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge Schutz suchen. Das entspricht etwa einem Fünftel der jordanischen Bevölkerung.

Gefährdet, so berichtet das Medium weiter, sehe man unter anderem die täglichen Wasserlieferungen ins jordanische Camp Zaatari – immerhin 3,5 Millionen Liter pro Tag. Dort sind derzeit rund 100.000 Flüchtlinge, vor allem Kinder untergebracht. Allein in der vergangenen Woche seien hier 11.000 weitere syrische Flüchtlinge angekommen. Doch die knappen UN-Mittel hätten nicht nur Auswirkungen auf Jordanien, sondern letzten Endes auf die gesamte Region.

UNHCR: USA, EUund Japan geben am meisten

Bisher haben es die Hilfsorganisationen geschafft, große gesundheitliche Problemen unter den Flüchtlingen zu verhindern. Doch mit zunehmender Flüchtlingsschwemme wird das immer schwieriger. Dazu kommen Spannungen in den Camps. Auch in der Türkei kam es bereits zu Vorfällen, die vein Einschreiten der Polizei erforderten (mehr hier).

Nach Angaben der UNHCR sind die größten Geberländer sin diesem Jahr bisher sind die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und Japan. Bis dato habe die UNHCR 162 Millionen Dollar erhalten. Nur gut ein Drittel der insgesamt 494 Millionen, die für die erste Hälfte dieses Jahres benötigt werden. Auch von China hätte man eine Million Dollar erhalten. Russland hingegen taucht nicht auf der Spenderliste auf. „Bisher ist sehr wenig herumgekommen“, fasst auch Mercado zusammen. Man tue viel und in großen Mengen. Aber die Bedürfnisse seien einfach außergewöhnlich. Und sie würden jeden Tag wachsen (mehr hier).

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