Zweites AKW: Türkischer Energieminister bedauert fehlendes Interesse der USA

Kurzzeitig schien es in der vergangenen Woche so, als wäre der Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks bereits in trockenen Tüchern. Doch von einem Zuschlag für ein bestimmtes Land ist man offenbar noch weit entfernt. Erneut meldet sich Energieminister Tamer Yıldız zu Wort. Der möchte unbedingt die USA als Partner mit im Boot. Doch stattdessen zeigt man ihm die kalte Schulter.

Am vergangenen Donnerstag schien der Bau des zweiten türkischen AKWs in der Schwarmeer-Stadt Sinop besiegelt. Die japanische Wirtschafts-Zeitung Nikkei Business Daily berichtete, dass Mitsubishi und das französische Unternehmen Areva den öffentlichen Auftrag zum Bau des zweiten türkischen AKWs in der Türkei erhalten haben sollen. Doch der türkische Energieminister Taner Yıldız dementierte schnell. Der Beitrag war „verfrüht veröffentlicht“ worden (mehr hier).

Yıldız: USA wäre wichtig als strategischer Partner

In der Tat gab es in der Vergangenheit einst vier Anwärter auf das 22-Milliarden-Projekt, das 2017 starten und 2023 fertig gestellt werden soll. Aus dem Quartett waren jedoch zwei wieder ausgeschieden. Derzeit, so der Minister, seien noch China und Japan im Rennen. In einem aktuellen Interview mit der türkische Zeitung Hürriyet macht er nun allerdings keinen Hehl daraus, dass er gern eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten angestrebt hätte. „Wenn ich das Atomkraftwerk nicht mit den USA bauen wollen würde, welches strategische Projekt sollte es denn dann sein? Soll ich mit ihnen Tomaten und Paprika verkaufen?“, fragt Yıldız. Bei den höchsten Beamten in Washington habe man jedenfalls bereits vorgesprochen und für die Teilnahme an der Ausschreibung geworben.

Doch offenbar ohne Erfolg: „Sie sagten uns, dass das Projekt nicht durchführbar wäre. Es mag zwar nicht möglich sein, aber es ist von strategischer Bedeutung. Das Leisten eines strategischen Beitrags fällt Washington zu“, fasst er das Echo aus den USA zusammen.

Erst Anfang März dieses Jahres hat das französische Unternehmen GDF Suez offiziell ein gemeinsames Angebot mit den japanischen Unternehmen Itochu und Mitsubishi für den Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks abgegeben. China hingegen gilt schon seit Ende 2012 als heimlicher Favorit (mehr hier).  Die erste Anlage in Akkuyu, in der Mittelmeer Provinz Mersin, wird von der russischen Rosatom aufgebaut.

Ahängig von Russland: Yıldız will nichts mehr hören

„Für dieses Projekt kein Angebot abzugeben, bedeutet einer Partnerschaft keine echte Bedeutung beizumessen. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass die USA dabei gewesen wären.(…) Wenn wir mit den USA kein 22-Milliarden-Dollar-Projekt umsetzen können, was wird es dann sein?“, macht Yıldız seiner Enttäuschung Luft. Im Umkehrschluss könne man der Türkei nun aber auch keinen Vorwurf machen, wenn man weiterhin am Energietropf Russlands hänge. Alternativangebote könne er jedenfalls kaum erwarten. Doch die USA wollten nicht kooperieren. „Wir sind nicht der Iran. Wir sind offen für Angebote.“

Einer Untersuchung des Amts für Energiestatistik (EIA) innerhalb des US-amerikanischen Energieministeriums  zufolge ist die Abhängigkeit der Türkei von Energieressourcen in den vergangenen zehn Jahren enorm angestiegen. Parallel zum wirtschaftlichen Wachstum der Türkei ist ihr Bedarf an Rohöl ebenfalls gewachsen. Jene Nachfrage wird nahezu ausschließlich durch Importe gedeckt. Die Türkei bezog im Jahr 2011 51 Prozent seiner Rohöl-Importe aus dem Iran. Der Iran ist – trotz Sanktionen – immer noch führend in der Versorgung der Türkei mit Rohöl (mehr – hier). An zweiter Stelle rangiert der Irak und darauf folgt Russland.

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