Mehr Vielfalt: Türkische Nachrichtenagentur ab September auch auf Kurdisch

Die türkische Nachrichtenagentur Anatolia wird ab dem 1. September dieses Jahres auch auf Kurdisch publizieren. Das gab ihr Direktor Kemal Öztürk nun bekannt. Eine entsprechende Ankündigung gab es bereits vor einem Jahr. Jetzt will das Unternehmen die Konkurrenz in der gesamten Region angreifen.

Die türkische Nachrichtenagentur Anatolia, die am vergangenen Samstag ihr 93-jähriges Bestehen feiern konnte, wird ab 1. September dieses Jahres auch auf Kurdisch veröffentlichen. Bis zum Jahr 2020 will das Unternehmen zu einer der weltweit führenden Nachrichtenagenturen aufsteigen, das kündigte ihr Direktor Kemal Öztürk anlässlich der Feierlichkeiten an.

Vom Nordirak aus in die gesamte Region

Auf den Start des neuen Angebots, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, habe sich Anatolia gründlich vorbereitet und vor der Einführung des Dienstes im kurdischen Sorani-Dialekt intensive Studien durchgeführt. „Unser erstes Ziel werden die nordirakischen Medien sein. In der Region gibt es rund 30 Medien, die mit der Türkei zusammenhängende Nachrichten derzeit von der Nachrichtenagentur Fırat beziehen“, erläutert Öztürk die derzeitige Situation. Weitere Ambitionen hege man jedoch auch im Nahen Osten. Auch die Kodizes dieser Region kenne man sehr gut. Bis Endes des Jahres, so das ehrgeizige Ziel, wolle Anatolia dort sogar etablierte Häuser wie AFP, Reuters oder den BBC Arabic Service überrunden.

Nun will man aber zunächst einmal der pro-kurdischen Nachrichtenagentur den Rang streitig machen. Gerade in Anbetracht des laufenden Friedensprozesses mit der PKK, so der Anatolia-Chef, sei es von immenser Bedeutung Nachrichten auch auf Kurdisch anzubieten. Neben Englisch, Arabisch, Bosnisch und Russisch ist Kurdisch nun die sechste Sprache im Angebot der Agentur. Zudem hat die Agentur auch ein Büro in Arbil, der Hauptstadt der kurdischen Regionalregierung (KRG) im Nordirak.

Angebotserweiterung nach dem Vorbild von TRT Şeş

Pläne, das Angebot um Kurdisch zu erweitern, gab es bereits vor den neuerlichen Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und der Terrororganisation. Schon anlässlich des 92. Geburtstages 2012 gab es eine entsprechende Ankündigung. Damals verwies er unter anderem auf den TV-Sender TRT, der bereits über einen kurdischen Kanal verfügte (mehr hier). Den Sender TRT Şeş gibt es erst seit 2009. Er wurde im Rahmen der kurdischen Initiative der AKP ins Leben gerufen, die sich mit der Lösung der Kurden-Frage befasst. Er ist das erste staatlich geförderte kurdische TV-Sender in der Türkei (mittlerweile läuft auch die erste kurdisch-sprachige TV-Serie in der Türkei – mehr hier).

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