Gegen den Zuschauerschwund: Al Jazeera will sich Rechte an La Liga sichern

Al-Jazeera plant offenbar die Übertragungsrechte der Primera División (La Liga) zu erwerben, um so sein bisheriges Sport-Angebot zu erweitern. Die Initiative scheint genau zur rechten Zeit zu kommen. Die Zuschauerzahlen befinden sich im Abwärtstrend.

Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera lotet gerade seine Möglichkeiten aus, die Übertragungsrechte für die spanische La Liga zu erwerben. Die Bestrebungen sind ein Versuch, sein globales Sport-Franchise zu erweitern und gleichzeitig sein Geschäftsmodell zu optimieren. Zuletzt litt der Sender unter  wachsender Kritik angesichts seiner Berichterstattung über die Aufstände im Nahen Osten und in Nordafrika. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Der Sender mit Sitz in Doha, Katar, habe sein Interesse an den spanischen Rechten erneuert, nachdem die beiden großen Sportsender des Landes Mediapro und Canal Plus, beide der Grupo Prisa zugehörig, in finanzielle Schieflage geraten waren. Zuvor soll es, nach Angaben der spanischen Nachrichten-Website El Confidencial Digital, auch Gespräche mit dem Medien-Imperium von Rupert Murdoch gegeben haben.

Bereits im vergangenen Jahr deuteten Grupo Prisa, deren Schulden derzeit auf rund drei Milliarden Euro geschätzt werden, und Mediapro mit Verbindlichkeiten von 300 Millionen Euro, an, dass man nicht noch einmal für die Übertragungsrechte bieten würde, wenn der Vertrag im Jahr 2016 auslaufe.

Current TV: Al Jazeera kauft sich auf US-Markt ein

Der jetzige Schritt, so das türkische Medium weiter, passe durchaus ins derzeitige strategische Paket des Senders, der sich nun auch auf Märkten wie Ägypten etablieren und später natürlich auch Umsätze generieren wolle. Auch der Intention Katars über Sport und Medien seinen internationalen Einfluss zu erweitern, kämen die Bemühungen zupass. Erst im vergangenen Jahr sei belN Sports USA an den Start gegangen. In diesem Jahr habe man bereits Al Gores Sender kriselnden Sender Current TV erworben, um so das Netzwerk bei der Durchdringung der nord-und lateinamerikanischen Märkte voranzubringen.

1996 gegründet, hat Al Jazeera die Berichterstattung in Nordafrika und im Nahen Osten, die bis dahin von staatlichen Medien dominiert wurden, revolutioniert. Noch zur Blütezeit des Arabischen Frühlings in Ägypten, Tunesien, Libyen und im Jemen erlebte der Sender eine echte Blütezeit als quasi primäre Nachrichtenquelle. Doch der Niedergang folgte auf dem Fuße. Die Araber wandten sich wieder verstärkt heimischen Nachrichten zu. „Vielen gilt der Sender als verlängerter Arm der Islamisten – nicht zuletzt weil Al-Dschasira in der Vergangenheit wiederholt Videos von Al-Kaida-Mitgliedern ausgestrahlt hatte. (…) Liberale Araber“, so berichtete auch das Handelsblatt im Zuge des Einkaufs auf dem US-amerikanischen Markt, „beklagen (…) seit einiger Zeit, der Sender sei inzwischen zu einem ‚Propagandasender für die Muslimbruderschaft‘ mutiert.“

Rechteerwerb in Spanien kompliziert

Ob der Deal mit Spanien tatsächlich zustande kommt, ist jedoch fraglich. Denn das spanische Gesetz verlangt, dass ein Spiel pro Woche kostenfrei ausgestrahlt werden muss. Überdies verkauft jeder spanische Club seine Rechte selbst, was die Verhandlungsposition von Teams wie Real Madrid und Barcelona immens stärkt. Grupo Prisa hält derzeit die Übertragungsrechte von Atletico Madrid, Celta Vigo, Espanyol, Getafe, Osasuna, Real Sociedad, Real Saragossa, Athletic Bilbao und Real Betis, während Mediapro Real Madrid und Barcelona sein Eigen nennt.

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