Häusliche Gewalt: Türkische Behörden schützen auch 45 Männer

Häusliche Gewalt ist auch in der Türkei kein rein weibliches Thema. Wie Familienministerin Fatma Şahin jetzt bekannt gab, würden derzeit nicht nur Frauen, sondern darüber hinaus 45 Männer Schutz erhalten. Einer von ihnen sei sogar mit dem neuen, so genannten „Panic Button“ ausgestattet.

Auch wenn die Berichterstattung in den türkischen Medien oft einen anderen Eindruck erweckt. In der Türkei sind nicht nur Frauen, sondern auch Männer von häuslicher Gewalt betroffen. Darauf wies jetzt die türkische Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin hin. Aktuell würden 45 Männer Schutz durch die türkischen Behörden erhalten – und eben nicht nur weibliche Opfer. In der südtürkischen Provinz Adana gebe es sogar einen Mann, der mit dem neu eingeführten „Panic Button“ (mehr hier) ausgestattet wäre. Darüber hinaus erhielten 23 Männer Unterstützung vom KOZA-Zentrum für Prävention und Kontrolle von Gewalt. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Männerhäuser in Istanbul und İzmir geplant

„Wir können nicht verallgemeinern und sagen, dass alle Frauen die Opfer sind und alle Männer sind die Verdächtigen“, so die Politikerin. Zwar hätte sich die Anzahl der Frauenhäuser binnen eines Jahres verdoppelt. Doch es werde auch daran gearbeitet, ähnliche Häuser für Männer zur Verfügung zu stellen. „Wir werden solche Männerhäuser schon bald in Istanbul und İzmir eröffnen“, kündigt Şahin an. Ob diese beiden Häuser dann auch den Bedarf decken könnten, müsse man jedoch erst noch herausfinden. Klar sei bisher jedoch, dass die Nachfrage nach solchen Einrichtungen vor allem in großen Städten zu finden sei.

Zur Verfügung gestellt würden diese dann für Männer, deren Leben bedroht sei sowie Männern, die häuslicher Gewalt ausgesetzt seien und keinen anderen Ort hätten, an den sie gehen könnten.

Behörde diskriminiert männliche Opfer nicht

Bereits im vergangenen Herbst startete in den Regionen Bursa und Adana die Testphase für die so genannten „Panic Buttons“. Mit deren Hilfe soll es möglichst schnell gelingen, im Ernstfall mit der Polizei in Kontakt zu treten. Unauffällig als Schmuckstück, Handy oder Uhr getarnt haben die Nutzer somit stets ein erstes Instrument zur Hand, um im Notfall doch noch aktiv werden zu können. „Wir sind dafür verantwortlich, die Bedürfnisse aller Mitglieder der Familie, einschließlich der Männer, Frauen und Kinder zu schützen und zu überwachen“, so Şahin. Wenn entsprechende Fälle an sie herangetragen würden, nutze man die institutionellen Kapazitäten für die Bereitstellung von Unterkünften sowie psychologische und physische Hilfe natürlich auch für Männer. „Auch Männer leiden unter Alkohol- und Drogensucht. Auch diejenigen, die wirtschaftliche oder rechtliche Unterstützung suchen, wenden sich an uns.“

Zahl der Sexualdelikte steigt um 400 Prozent

Aufnahmen von geschundenen Opfern ins Zeugenschutzprogramm, spezielle Panic Buttons: Langsam aber sicher scheinen die türkischen Behörden aufzuwachen. Doch kommen sie damit reichlich spät. Denn die Entwicklungen der letzten Jahre – gerade allerdings mit Blick auf die weiblichen Oper  – sind dramatisch. Um satte 400 Prozent ist die Zahl der Sexualdelikte in der Türkei in den vergangenen neun Jahren gestiegen. Darauf wies der türkische Staatsanwalt Veli San im Rahmen einer Konferenz an der Bülent Ecevit Universität in der Schwarzmeer-Provinz Zonguldak hin. Auf der Veranstaltung zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ hat dieser verlautbart, dass sich die Anzahl der Sexualdelikte in der Türkei in den letzten neun Jahren vervierfacht habe. Während im Jahr 2002 8.146 Vergehen verzeichnet worden seien, habe man im Jahre 2011 ganze 32,988 Delikte registrieren müssen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Doğan bereits im vergangenen November (mehr hier).

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