Schiitenführer im Libanon: Der Iran benutzt die Schiiten des Nahen Ostens

Schiitenführer Sayyed Ali Fadlallah ist der Ansicht, dass die Türkei eine größere Rolle in der Aussöhnung zwischen Sunniten und Schiiten des Nahen Ostens spielen müsse. Der Iran dürfe die Schiiten der arabischen Welt nicht benutzen. Ankara sei weitgehend neutral und genieße großes Ansehen. Doch die Türkei hat schon längst Partei für nahezu alle sunnitischen Kräfte ergriffen. Anhand des Syrien-Konflikts lässt sich diese Parteinahme deutlich beobachten. Der Iran ist entzürnt.

Sayyed Ali Fadlallah, Sohn des verstorbenen libanesischen Großajatollah Mohammed Hussein Fadlallah, ist der Ansicht, dass der Iran versucht, die Schiiten des gesamten Nahen Ostens, für seine politischen und wirtschaftlichen Zwecke zu missbrauchen. Der Eindruck, dass der Iran der rechtmäßige Repräsentant der Schiiten ist, sei falsch. Die Schiiten des Iran, des Irak und des Libanon haben allesamt verschiedene Ansichten und Ideen.

Die inter-konfessionellen Reibereien zwischen Schiiten und Sunniten seien nur, so Fadlallah, auf dem Weg des Dialogs zu lösen. Hier müsse sich die Türkei stärker einbringen. „Die Türkei hat eine neutrale Stellung zwischen Schiiten und Sunniten und könnte eine zentrale Rolle im Nahen Osten spielen“, zitiert die Today`s Zaman den Schiitenführer.

Auch im Hinblick auf den Syrien-Konflikt sei jene Rolle sehr wichtig, denn er sei „besorgt“ über den immer stärker werdenden konfessionellen Charakter des Konflikts. Die Ereignisse in Syrien seien ein Kampf für mehr Freiheit und Bürgerrechte. Umso wichtiger sei es, den Dialog zwischen den verschiedenen Seiten voranzutreiben.

Die Libanesen haben kein Interesse am Zerfall Syriens, da auch der Libanon in negativer Weise davon betroffen wäre. „Wenn der Konflikt immer stärkere konfessionelle Züge bekommt, dann wird er auf seine Nachbarländer überschwappen“, erklärt Fadlallah.

Ob die Türkei eine Vermittlerrolle zwischen Schiiten und Sunniten ausüben kann, ist fraglich. Denn Ankara hat im Nahen Osten längst Stellung für alle sunnitischen Elemente bezogen. Auch im Syrien-Konflikt, so US-Wissenschaftler Soner Çağaptay,  steckt sie tief drin (mehr hier), weil sie Elemente der syrischen Opposition beherbergt. Medienberichten zufolge, versorge die Türkei die Rebellen mit Waffen und Geld, das aus Ländern wie Katar komme. Ankara kann es sich nicht leisten im Syrienkonflikt den Kürzeren zu ziehen. Mit anderen Worten: Ankara ist der Auffassung, dass Assad um jeden Preis gehen müsse.

Damit untergräbt die Türkei auch die regionalen Bestrebungen des Iran und positioniert sich sogar im Irak an der Seite der anti-schiitischen und anti-iranischen Kurden und sunnitischen Araber. Das verwundert nicht, denn auch im Syrien-Konflikt kämpfen die Türkei und der Iran um die Vorherrschaft in der Region (mehr hier).

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