Unsichtbare Gefahr: Rückstände von Medikamenten landen im Trinkwasser

Medikamente, Pestizide, Desinfektionsmittel – viele Chemikalien landen im Abwasser und lassen sich nicht herausfiltern. Von vornherein soll darauf geachtet werden, das Abwasser nicht mit gefährlichen chemischen Stoffen zu belasten.

„Vermutlich sind bereits mehrere tausend chemische Stoffe in dem vom Menschen genutzten Wasserkreislauf. Über ihre Wirkung wissen wir wenig“, zitiert das Deutschlandradio Kultur  Klaus Kümmerer, Umweltwissenschaftler an der Lüneburger Leuphana Universität.

In Deutschland werden die Menschen immer älter. Dank des medizinischen Fortschritts. Dadurch steigt aber auch der Konsum von Arzneimitteln. Über das Abwasser landen diese in den Flüssen, von dort im Grundwasser und schlussendlich in die Leitungen deutscher Haushalte. Das Umweltbundesamt geht außerdem von mehreren Tonnen nicht verbrauchter Medikamente aus, die pro Jahr unsachgemäß die Toilette hinuntergespült werden. 80 Prozent der städtischen Abwässer fließen weltweit unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer. In manchen Entwicklungsländern sind es bis zu 90 Prozent.

Laut Studien schädigen Medikamente – etwa Schmerzmittel und Hormone aus der Antibabypille – die Fische. „Wir müssen am Beginn des Rohres ansetzen und die Stoffe reduzieren, damit man nicht am Ende aufwendig filtern muss“, sagt Kümmerer.

In Deutschland sind Wasserverunreinigungen zwar schädlich, aber noch keine Gefahr fürs Leben. Anders in Entwicklungsländern. Laut Unicef sterben jeden Tag rund 2.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die fast immer durch schmutziges Trinkwasser oder fehlende Sanitäranlagen verursacht werden. Obwohl sauberes Trinkwasser seit drei Jahren ein UN-Menschenrecht ist, haben noch immer 900 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang dazu.

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