Studie: Türkische Bürger fest in Europa integriert

Nahezu 70 Prozent der türkischen Bürger, die derzeit in elf europäischen Ländern leben, betrachten die Staaten, in denen sie leben als ihr ständiges Zuhause. Das geht aus einer aktuellen Studie der Hacettepe Universität hervor.

Menschen türkischer Herkunft, die seit Beginn der 1960er Jahre in westeuropäische Staaten auswanderten, sind mittlerweile zu einem „integralen Bestandteil Europas“ geworden.

Das geht aus einer Umfrage des Forschungscenters Migration und Politik der Hacettepe Universität (HUGO) vom März dieses Jahres hervor.

Die türkische Untersuchung umfasst 2634 Personen über 14 Jahren, die in Staaten mit mehr als 100.000 Menschen türkischer Herkunft leben. Unter den Ländern befinden sich auch neun EU-Länder (Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, England, Belgien, Österreich, Dänemark, Schweden und Finnland) sowie die Schweiz und Norwegen.

2,5 Millionen Türken haben neue Staatsbürgerschaft

Wie mindestens 82.5 Prozent der Befragten angaben, hätte die türkische Bevölkerung in dem Land, in dem sie lebten, keinerlei Probleme mit der Integration. Der primäre Indikator hierfür war die Dauer des Aufenthalts. 91 Prozent der Bevölkerung türkischer Herkunft, die sich noch in Europa befänden, wurden entweder dort geboren oder lebten dort seit mehr als elf Jahren, heißt es hierzu. Ein weiterer Indikator sei das Thema Staatsbürgerschaft gewesen. Die Hälfte der in Europa lebenden Bürger türkischer Herkunft, das sind etwa 2,5 Millionen, seien mittlerweile Staatsbürger der Länder, in denen sie derzeit auch leben würden. Konkret heißt das also, dass sie inzwischen EU-Bürger geworden seien. „Etwa die Hälfte der Leute hat weiterhin die türkische Staatsbürgerschaft. In diesem Sinne ergibt sich ein klares Bild der trans-nationalen Migranten“, schreibt hierzu auch die türkische Zeitung Hürriyet. Nun sollen allerdings türkischstämmige Fachkräfte und Wissenschaftler aus Deutschland zu einer Rückkehr in die Heimat ihrer Eltern bewegt werden (mehr hier).

Rund 34 Prozent der Befragten bezeichneten sich als „türkisch-muslimisch“, während sich sieben Prozent in Deutschland „sowohl als Deutsch und Türkisch“ sieht. Doch trotz einer Zunahme von Türken, die in Europa blieben, werde das Gefühl zur Türkei zu gehören bzw. zum „Türkentum“ zu gehören immer stärker. Auf der anderen Seite seien sie allerdings auch offen für eine multikulturelle Zugehörigkeit.

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, wo sie wählen würden, wenn sie ein Land wählen könnten. Doppelt so viele, nämlich 24 Prozent würden bei türkischen Wahlen mitentscheiden wollen. Nur zwölf Prozent bevorzugten das Land, in dem sie sich gerade aufhielten. 74 Prozent der Befragten gaben zudem an, sie würden an Umfragen für türkische Wahlen teilnehmen.

Islamophobie wird verstärkt wahrgenommen

Wie die Umfrage herausarbeitet, sei die Wahrnehmung von Diskriminierung in Europa weit verbreitet. Selbst diejenigen, die bisher keiner Diskriminierung ausgesetzt gewesen waren, würden diese wahrnehmen. Eine Mehrheit von 70 Prozent sagten, dass es Diskriminierung in Europa gebe, während sogar 80 Prozent glaubten, dass es Islamophobie gebe.

Das Forschungscenter Migration und Politik der Hacettepe Universität (HUGO) erstellte ein „Euro-Türken Barometer“. Dieses zeigt, dass die Arbeiter, die vor gut 50 Jahren nach Europa kamen, nun auf dem Weg sind eine Diaspora zu werden. Schätzungen zufolge leben im Augenblick rund sechs Millionen Menschen türkischer Herkunft in Europa. Nach Deutschland will die Türkei allerdings keine Fachkräfte mehr schicken (mehr hier).

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