Besorgniserregende Entwicklung: Türkischer Präsident Gül fürchtet neuen Holocaust in Europa

Der türkische Präsident Abdullah Gül ist besorgt: Falls die europäischen Staaten weiterhin darin versagten, Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen zu üben, werde das zu neuen humanitären Tragödien, wenn nicht gar zu Massentötungen von Menschen führen.

Der türkische Präsident Abdullah Gül fand in seiner Eröffnungsrede des zweitägigen internationalen Symposiums zum Thema „Migration, Islam und Multikulturalität in Europa“ organisiert vom Forschungscenters Migration und Politik der Hacettepe Universität (HUGO) harsche Worte. „Der Islam und Migranten sind seit Jahrhunderten Realität in europäischen Staaten“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Doch solange Europa Segmenten, die nicht der Mehrheit angehören, vor allem in Bezug auf ihre Religion, nicht mit Toleranz begegne, könne es auch zu neuen Inquisitionen oder einem Holocaust kommen. Auch Ereignisse wie in Srebrenica seien möglich.

Mit Sorge beobachtet der türkische Präsident Abdullah Gül den gegenwärtigen Rassismus und die Intoleranz gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen. (Foto: Chatham House, London/flickr)

Mit Sorge beobachtet der türkische Präsident Abdullah Gül den gegenwärtigen Rassismus und die Intoleranz gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen. (Foto: Chatham House, London/flickr)

Rassismus und ein Mangel an Toleranz gegenüber unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen seien einige der chronischen Krankheiten in den westlichen Gesellschaften, sagte Gül. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf die zunehmende Unterstützung für die politischen Parteien, die Migranten als Hauptgrund für gesellschaftliche Probleme wie Sicherheit, Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Armut in europäischen Ländern betrachten. Diskriminierung und Islamophobie wird auch von den dort lebenden Türken verstärkt wahrgenommen (mehr hier).

Wenn die Politik damit begänne, eine Gruppe als außenstehend zu betrachten, dann führe das unweigerlich zu einer Entfremdung von Migranten und Minderheiten von dem Land, in dem sie leben und von der Gesellschaft, in der sie sich bewegen. Unzählige Beispiele der Geschichte hätten gezeigt, dass Länder, die in der Lage seien, gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt in Einheit und Harmonie zu manifestieren, Bestand hätten. Umgekehrt hätten diejenigen Länder, die sich bemüht hätten, die gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt entweder zu vernichten oder Druck auszuüben, indem sie unterschiedliche Ängste aufgebaut hätten, zunächst ihren menschlichen Reichtum verloren und danach einen Verlust von wirtschaftlicher und politischer Macht erlebt hätten.

Respekt für Multikulturalismus unerlässlich

„In Anbetracht dessen, und obschon jedes Land für das Hervorbringen eigener authentischer Lösungen verantwortlich ist, ist Respekt für Multikulturalismus unerlässlich“, mahnt der Präsident. „Rassismus und Intoleranz gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen sind leider die häufigsten chronischen Erkrankungen. Obwohl diese Krankheit unter Kontrolle gebracht werden kann, entsteht sie wieder. Besonders in Zeiten der Wirtschaftskrise.“ Zu beobachten ist das derzeit besonders augenfällig in Griechenland (mehr hier).

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