Migrations-Forscher: Einheimische Ressourcen können Fachkräftemangel nicht decken

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) ist der Auffassung, dass der Fachkräftemangel in Deutschland nicht zu leugnen sei. Das zahlenmäßige Potential der heimischen Jugend reiche nicht aus, um den Bedarf an Fachkräften zu decken. Zudem profitiere das Land von der Freizügigkeit innerhalb der EU. Armutszuwanderung käme nur selten vor.

Im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin wurde das SVR-Gutachten zur EU-Binnenmigration 2013 vorgestellt.

Dem Gutachten zufolge seien zwei Drittel aller Zuwanderer im ersten Halbjahr 2012 Unionsbürger gewesen. Deutschland profitiere durch diese Entwicklung auf dreierlei Ebenen. Die Zuwanderer seien jung, gut qualifiziert und sie kämen zahlreich. Sie seien durchschnittlich zehn Jahre jünger als die Mehrheitsbevölkerung und  haben häufiger einen Hochschulabschluss als die Mehrheitsbevölkerung.

„Die Freizügigkeit in der Europäischen Union ist ein Erfolgsmodell. Es entwickelt sich ein echter europäischer Arbeitsmarkt“, erklärte SVR-Vorsitzende Langenfeld. So sei Armutszuwanderung bisher nur eine Ausnahme und nicht die Regel gewesen, meint sie. Von den SVR-Mitgliedern wurde durchgehend betont, Deutschland brauche ausländische Fachkräfte.

Auf Nachfrage der DTN, warum die Regierung und die Wirtschaft – angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit – nicht auf die Ausbildung der einheimischen Jugend mit und ohne Migrationshintergrund setze, antwortete der Migrationsforscher Thomas K. Bauer, dass der Fachkräftemangel „nicht zu leugnen“ sei. Langfristig werden die „inländischen (humanen) Reserven“ nicht ausreichen, meint Bauer.

Doch von der Türkei wird Deutschland wohl nicht profitieren können. Der türkische Industrie-Minister Nihat Ergün hatte im März bei einer Veranstaltung des Wirtschafts-Rats in Berlin erklärt, dass die Türkei in den vergangenen Jahrzehnten, eine Abwanderung von Arbeits- und Fachkräften zu verzeichnen hatte. Nun sollen türkischstämmige Fachkräfte und Wissenschaftler aus Deutschland zu einer Rückkehr in die Heimat ihrer Eltern bewegt werden. Die Türkei werde keine Fachkräfte nach Deutschland entsenden (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Studie: Türkische Bürger fest in Europa integriert
Klaus J. Bade: Sarrazins Thesen bedienen den Kultur-Rassismus
SVR-Studie: Medien schüren Vorurteile gegen Muslime

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.