Frieden mit PKK: Blutrache und Arbeitslosigkeit bedrohen kurdische Dorfschützer

Kurdische Dorfschützer haben Existenzängste. Jahrzehntelang hat der türkische Staat sie mit Waffen und Geld versorgt, um sie gegen die PKK kämpfen zu lassen. Nun droht der Wegfall dieser wirtschaftlichen Grundlage. Zudem fürchten sie die Blutrache der PKK. Denn ein Teil der Kurden stuft sie als Feinde und Kollaborateure ein.

Die kurdischen Dorschützer im Südosten der Türkei beäugen den derzeitigen Friedensprozess mit der PKK mit Argwohn. Kurdische Dorfschützer bilden staatsloyale Kampfverbände, die in den vergangenen 30 Jahren an der Seite des türkischen Militärs gegen die PKK gekämpft haben. „Der Staat und die PKK versöhnen sich. Doch was wird mit uns? Bevor die PKK ihre Waffen nicht niederlegt, werden wir unsere Waffen ebenfalls nicht niederlegen“, zitiert die Hürriyet den Führer eines Kampfverbands der Dorfschützer aus Mardin, Fikret Aslan.

Aslan betont, dass die Dorfschützer und ihre Familien Angst vor einer Blutrache der PKK haben. Zahlreiche Familien erhalten Morddrohungen. Deshalb habe jeder seiner Angehörigen und Männer immer eine Waffe bei sich. „Die Bevölkerung in unserer Gegend ist gegen uns. Wir können uns nicht frei bewegen, weil wir als Verräter angesehen werden. Ich habe große Angst, dass meine Kinder entführt und getötet werden“, so Aslan.

Es gebe auch ein wirtschaftliches Problem. Jahrelang standen die Dorfschützer im Dienst des Staates und haben sowohl Waffen, als auch Geld erhalten. Der Kampf gegen die PKK bildetete somit die ökonomische Grundlage für das Überleben der Familien der Dorfschützer. „Was sollen wir machen, wenn uns diese Grundlage genommen wird? Wir werden arbeitslos sein und ich bin viel zu alt, um mich nach neuer Arbeit umzusehen“, erkennt Aslan.

21 Jahre seines Lebens habe er im Kampf gegen die PKK aufgeopfert. Hätte es diesen Konflikt nicht gegeben, wäre Aslan Geschäftsmann geworden. Nun fürchte er, dass er und alle anderen Dorfschützer im Zuge des Friedensprozesses nicht mehr beachtet und unterstützt werden. Doch Aslan betont auch, dass er sich nichts mehr wünsche als Frieden. „Auch ich möchte endlich schlafen können, ohne die ständige Gefahr im Nacken zu spüren“, meint er.

In der Türkei stehen derzeit 45.181 Dorfschützer unter Waffen. Jeder von ihnen erhält pro Monat ein Gehalt in Höhe von 305,60 Euro, eine Beteiligungs-Prämie an Militäroperationen in Höhe von 10,57 Euro und einen zusätzlichen monatlichen Zuschuss in Höhe von 32,51 Euro. Pensionierte Dorfschützer erhalten eine monatlichen Betrag zwischen 147 bis 226 Euro. Dies geht aus den offiziellen Aussagen des türkischen Innenministers İdris Naim Şahin hervor. In den vergangenen 30 Jahren hat der PKK-Krieg die Türkei rund 300 Milliarden US-Dollar gekostet (mehr hier).

Ob es zur endgültigen Entwaffnung der PKK kommt, ist weiterhin unklar. Denn der Vorsitzende der kurdisch-nationalistischen Partei BDP, Selahattin Demirtaş, sagte Anfang April, dass der inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan zu keinem Zeitpunkt die Entwaffnung der PKK verlangt habe. Der Waffenstillstand gehe auch nicht einher mit einem Rückzug der PKK Kämpfer (mehr hier).

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