USA: Muslime sind besser integriert, als in Europa

Das in New York ansässige „Council on Foreign Relations“ sagt: US-Muslime sind - trotz der vorübergehenden Vorurteile - weitaus besser integriert, als europäische Muslime. US-Diplomaten sagen: Muslime in Europa werden bewusst ausgegrenzt. Minderheitenrechte und politische Repräsentationen seien nicht existent. Doch auch in puncto islamistische Terrorbekämpfung seien die Europäer schwach.

Der amerikanische „Council on Foreign Relations“ (Rat für auswärtige Beziehungen) ist der Ansicht, dass US-Muslime gesellschaftlich weitaus integrierter seien, als EU-Muslime. Zwar gebe es – wie in Europa – aktuelle negative Diskussionen über den Islam und die Muslime, doch das sei ein vorübergehender Prozess. Die Diskussion werde im Laufe der Zeit abnehmen.

US-Muslime machen nur zwei Prozent der Bevölkerung aus und sind durchschnittlich gebildeter und wohlhabender, als europäische Muslime. 60 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund und 70 Prozent sind US-Staatsbürger. Unter ihnen gebe es „große“ Unterschiede. Weiße und asiatische Muslime haben nahezu keinen Kontakt zu afro-amerikanischen Muslimen. Deshalb sei es schwer, von einer einzigen „muslimischen Community“ zu sprechen.

Im Gegensatz zu den gängigen Vorwürfen in Europa, gebe es keinen Kausalzusammenhang zwischen der islamischen Religion und sozialen Problemen. Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung anti-islamischer Vorurteile spielen die konservativen protestantischen Kreise, welche Muslime als „Häretiker“ einstufen. Die aktuelle anti-muslimische Rhetorik weise große Ähnlichkeiten mit der anti-semitischen Rhetorik des 19. Jahrhunderts auf. Doch auch Katholiken hatten in der Vergangenheit dieselben Erfahrungen gemacht.

Die Situation in Europa sei weitaus dramatischer. Die amerikanische Regierung hat in den vergangenen Jahren mehrmals angedeutet, dass sie die EU-Staaten in Fragen der Integration ihrer muslimischen Bevölkerungsteile unterstützen wolle. So versucht die US-Botschaft in Paris, eine Reihe von sozialen und zivilgesellschaftlichen Initiativen in der muslimischen Bevölkerung, ins Leben zu rufen. Das komme gut an bei jungen Muslimen. Die französische Regierung und Öffentlichkeit sieht das gar nicht gerne.

US-Diplomaten sind der Ansicht, dass Frankreich ein großes Problem mit der Diskriminierung von Minderheiten habe. Das französische Modell der Assimilation sei gescheitert. Frankreich und Europa sollten sich am US-Modell orientieren. „Wir sind der Meinung, dass Frankreich seinen Minderheiten eine politische Repräsentanz und Zukunftsperspektiven bieten muss. Andernfalls wird das Land zu einem weniger effektiven Alliierten verkommen“, zitiert die Open Society Foundation in New York einen US-Diplomaten.

Doch nicht nur in Frankreich betrachten Politiker die „geheime Kampagne“ zur Integration der EU-Muslime mit Argwohn. Auch in Großbritannien oder Holland sei man unglücklich über die Bestrebungen der USA. Zahlreichen Wikileaks-Dokumenten zufolge sind US-Diplomaten der Auffassung, dass die Europäer ihre muslimischen Minderheiten vorsätzlich ausgrenzen und „schlecht behandeln“. Auch werde der islamische Extremismus nur unzureichend bekämpft.

Es lässt sich beobachten, dass muslimische Organisationen in Europa positivere Beziehungen zu US-Diplomaten, als zu ihren einheimischen politischen Größen haben.

Vergangenes Jahr war der US-Botschafter zu Berlin William R. Timken der einzige wichtige politische Repräsentant in Deutschland, der den Muslimen in Deutschland zum alljährlichen Opferfest gratuliert hatte. Zahlreiche Repräsentanten der muslimischen Gemeinschaft wurden in die US-Botschaft eingeladen. Glückwünsche seitens der deutschen Bundesregierung oder der Ministerien fielen aus.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat, zeigte sich enttäuscht über das Desinteresse seiner eigenen Regierung. Umso erfreuter war er über Timken. „Das Verhalten des US-Botschafters ist vorbildlich“, zitierte die Zaman TGD-Vorsitzenden.

Offenbar hat Integration auch nichts mit Bildung oder Reichtum zu tun. Denn es sind vor allem deutsch-türkische Akademiker und Unternehmen, die Deutschland verlassen (mehr hier).

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