NSU-Skandal: Tausende protestieren in München gegen Rassismus

Kurz vor dem NSU-Prozessauftakt ist es in München zu einer Großdemonstration gegen Rassismus und Rechtsradikalismus gekommen. Zahlreiche deutsch-türkische Vereine und linke Gruppen hatten zu dieser Demo aufgerufen. Nükhet Kıvran, Chefin des Ausländerbeirats München, zeigte sich erfreut über die Teilnahme zahlreicher Menschen. Doch Kıvran hat in München einen schweren Stand.

In der bayrischen Landeshauptstadt München haben sich am Samstag Tausende zusammengefunden, um gegen Rassismus und „Nazi-Terror“ zu protestieren. Mehrere Gruppen aus dem linken Spektrum und 20 weitere türkische Vereine hatten zu dem Protest aufgerufen. Die türkischen Demonstranten trugen allesamt Fotos der NSU-Opfer in ihren Händen und forderten von der Politik, mehr gegen rechtsradikale Strukturen zu unternehmen.

„Wir sind heute hier, um geschlossen gegen die Salonfähigkeit des Rassismus in Deutschland zu protestieren“, zitiert die Nachrichtenagentur Cihan die Vorsitzende des Ausländerbeirats München, Nükhet Kıvran. Frau Kıvran hatte es bisher nicht leicht gehabt in der Landeshauptstadt. Als sie vor zwei Jahren zur Vorsitzenden gewählt wurde, weigerte sich Oberbürgermeister Christian Ude sich mit ihr fotografieren zu lassen.

Ude deutete an, dass im Vorstand nur Türken und ein bosnischer Moslem sitzen würden. Das enttäusche ihn sehr, denn die repräsentieren nur einen bestimmten Kulturraum. Das könne bedeuten, „dass man in Zukunft weniger vom Ausländerbeirat hören wird“, zitierte die tz München den SPD-Politiker. Seine Reaktion löste Unverständnis bei den Mitgliedern des Ausländerbeirats aus. Denn schließlich wurden sie demokratisch gewählt. Allerdings hatte sich Christian Ude im Vorfeld des NSU-Prozesses sehr stark für die Teilnahme griechischer und türkischer Medien am Prozess eingesetzt.

Erhan Songün, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Hessen, meinte zuvor, dass der NSU-Prozess eines der wichtigsten Prozesse seit dem Zweiten Weltkrieg sei. Zudem berge er eine große gesellschaftliche Gefahr. „In einer Zeit, in der das Vertrauen der Zuwanderer in den deutschen Verfassungsschutz so niedrig wie nie ist, darf nicht noch das Vertrauen in die Justiz und die Gerichte verloren gehen“, erklärte er der Hürriyet (mehr hier).

http://www.youtube.com/watch?v=ZXZbw7i7Fko

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