Blasphemie: Fazıl Say erhält zehn Monate auf Bewährung

Das Urteil im Blasphemie-Prozess gegen den türkischen Pianisten Fazıl Say ist gesprochen. Say erhält eine Bewährungsstrafe in Höhe von zehn Monaten. Die Staatswanwaltschaft hatte zuvor eine Haftstrafe in Höhe von anderthalb Jahren gefordert. Der Prozess gegen Say begann im vergangenen Oktober.

Fazıl Say wurde von einem Gericht in Istanbul – wegen Beleidigung der „religiösen Werte eines Teils der Bevölkerung“ – zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, berichtet die New York Times. Damit fiel das Urteil unter dem geforderten Strafmaß der Staatsanwaltschaft aus, welche anderthalb Jahre Haft für den weltweit bekannten Pianisten gefordert hatte.

Zuvor hatte Say in einer Twitter-Nachricht geschrieben: „Du sagst, durch die Bäche wird Wein fließen, ist das Paradies etwa eine Schänke? Ich werde jedem Gläubigen zwei Jungfrauen geben, sagst du, ist das Paradies etwa ein Freudenhaus?”. Das Verfahren gegen Say löste einen internationalen Proteststurm aus. Im Februar hatten 102 Bundestagsabgeordnete einen offenen Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan geschrieben haben, in dem sie den Prozess gegen den Pianisten verurteilten (mehr hier).

Auch die internationale Schriftstellervereinigung PEN hatte zuvor der Türkei – in Verbindung zum Say-Prozess – eine „faschistische Entwicklung“ vorgeworfen (mehr hier). Bereits im Dezember 2012 wurde das PEN-Büro in Istanbul von Sicherheitskräften aufgesucht. Damals, so heißt es in der am 10. Januar veröffentlichen Erklärung der PEN, seien die Kontaktdaten aller Vorstandsmitglieder eingefordert worden.

John Ralston Saul, Präsident des PEN International, erklärte damals: „Das ist ein außerordentlicher Angriff auf alle Vorstandsmitglieder von PEN Türkei, die von ihren Kollegen im gesamten Land gewählt wurden. Darüber hinaus ist diese Anklage ein klarer Missbrauch eines Gesetzes, das im Rahmen von internationalen Meinungs-Standards nicht existieren sollte.“

http://www.youtube.com/watch?v=2KBPEyHe3x4

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