Schutz für Frauen: Türkische Polizei konfisziert Waffen von 15.000 gewaltbereiter Männer

Nach Angaben der türkischen Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin hat die hiesige Polizei bisher Waffen von knapp 15.000 Männern beschlagnahmt, die entweder an Gewalt gegen Frauen beteiligt waren oder aber als potentielle Täter in Betracht kommen. Möglich wurde das im Zuge eines neuen Gesetzes zur Prävention von Gewalt gegen Frauen, das seit gut 13 Monaten in Kraft ist.

Im Gespräch mit der Zeitung Akşam erläuterte die türkische Familienministerin Fatma Şahin während ihres Besuchs in Helsinki, einige Details über die Umsetzung des Gesetzes Nr. 6284 über die Verhütung von Gewalt gegen Frauen und den Schutz der Familie, das im März 2012 in Kraft getreten ist (mehr hier).

5000 betroffene Männer im öffentlichen Dienst

Ihren Angaben zufolge hätten die türkischen Sicherheitskräfte im Zuge der Umsetzung des neuen Gesetzes unzählige Waffen von Männern konfisziert, die an Gewalttaten gegen Frauen beteiligt gewesen wären und solchen, die als potentiell gefährlich gelten. Konkret ginge es um die Waffen von 15.000 Männern – 5000 von ihnen seien sogar im öffentlichen Dienst beschäftigt. Bei den Männern, deren Waffen beschlagnahmt wurden, handelt es sich um Personen, die wiederholt ihre Frauen oder Freundinnen missbraucht hätten.

Dennoch vertritt Şahin die Ansicht, dass die Situation im Hinblick auf die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen in der Türkei besser sei als etwa die in Finnland. Wenn auch nur relativ betrachtet: „Jedes Jahr werden 27 Frauen durch ihre Ehemänner oder ihre Freunde in Finnland getötet, während 165 Frauen im Jahr 2012 in der Türkei getötet wurden. Unsere Bevölkerung liegt bei über 75 Millionen, während Finnlands Bevölkerung bei nur 5,5 Millionen liegt. Wenn wir dies berücksichtigen, ist die Anzahl der Frauen, die durch häusliche Gewalt in Finnland getötet wurden, vier Mal höher als in der Türkei.“

Willkürlich gehen die türkischen Beamten bei ihren Beschlagnahmungen übrigens nicht vor. Bereits im vergangenen Februar wies die Familienministerin darauf hin, dass jede Entscheidung, eine Waffe von einem Mann zu konfiszieren durch ein Familiengericht abgesegnet werden müsse. Ein Artikel innerhalb des neuen Gesetzes stelle ganz klar fest, dass Waffenbesitzer, die ihr Temperament nicht kontrollieren und die nicht mit Stress fertig werden können, mit der Konfiszierung ihrer Waffen zu rechnen hätten.

Regierung will klares Signal setzen

„Die Familiengerichte beschlagnahmten die Waffen von rund 5000 Beamten, darunter Polizisten und Soldaten, nachdem von ihren Ehepartnern dokumentierte Beschwerden von häuslicher Gewalt eingereicht wurden“, so Şahin. Mit diesem Artikel würde die Regierung ein ganz klares Signal aussenden:  „Wenn Sie Ihre Wut nicht kontrollieren können, können Sie auch keine Waffe mehr benutzen. Dies ist eine sehr klare Haltung.“ Für Aufsehen sorgte hingegen die türkische Schauspielerin Hülya Avşar mit ihrer befremdlichen Auffassung, dass es einige Frauen durchaus verdienen würden, geschlagen zu werden (mehr hier).

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