Erschreckendes Ergebnis: 34 Prozent der türkischen Männer heißen häusliche Gewalt gut

34 Prozent der türkischen Männer glauben, dass Gewalt gegen Frauen „gelegentlich notwendig“ ist. 30 Prozent sind der Ansicht, dass Gewalt, wenn es einen Grund gibt, akzeptabel sei. Zu diesem erschütternden Ergebnis kommt eine Umfrage, an der sich 3500 türkische Männer in sieben Städten beteiligten.

Die türkische Regierung tut derzeit viel, um für das Thema Gewalt gegen Frauen nicht nur zu sensibilisieren, sondern die furchtbaren Gewalttaten auch effektiv einzudämmen (mehr hier). Doch selbst Panic Buttons, Zeugenschutzprogramme und Co. können gegen die Mentalität in den Köpfen der Männer nicht ändern. Das zeigt nun eine aktuelle Umfrage der Happy Kids Association (Mutlu Cocuklar Derneği) und der Kırıkkale Universität, an der auch 3500 Männer in sieben türkischen Städten teilnahmen.

Demnach, so berichtet die Zeitung Hürriyet, finden gut 34 Prozent der befragten Männer, dass Gewalt „gelegentlich notwendig“ sei. 28 Prozent vertraten darüber hinaus die Auffassung, dass diese dazu eingesetzt werden müsse, um Frauen zu disziplinieren.

Erste Umfrage, die sich auch an Männer richtet

Die Untersuchung, mit dem Ziel, die Wahrnehmung von Männern und Frauen in Bezug auf Gewalt in der Türkei auszumachen, so der Leiter des Lehrstuhls für Soziologie an der Kırıkkale Universität, Dolunay Şenol, sei die erste ihrer Art gewesen, die sich an die männlichen Bürger des Landes gewandt hätte.

Insgesamt nahmen 7.000 Personen an der landesweiten Umfrage zum Thema Gewalt an Frauen teil. Befragt wurden sowohl Männer als auch Frauen über 18 Jahren zu ihrer Wahrnehmung von Gewalt gegen Frauen. Die Umfrage wurde in Adana, Ankara, Istanbul, Izmir, Erzurum, Trabzon und Malatya durchgeführt. Jede Stadt wurde von 500 Männern und Frauen vertreten.

Zutage förderten die Wissenschaftler dabei noch weitere, fragwürdige Aussagen. So stimmten 18 Prozent der Aussage zu, dass „der Mann der Herrscher des Hauses ist und Gewalt frei anwenden kann, wenn nötig“. Viele Männer würden zudem zur häuslichen Gewalt greifen, wenn es einen „guten Grund“ gebe. Eine solche Argumentation wurde immerhin von 30,9 Prozent der Männer akzeptiert, während 37,6 Prozent der Ansicht waren, dass einige Prinzipien wie Ehre, Anstand und Disziplin Gewalt erforderlich machen würde.

Paare müssen kommunizieren lernen

Wenn Frauen das „provozieren“, dann sei Gewalt für 23,4 Prozent der Männer akzeptabel. Eine Minderheit streng patriarchischer Zeitgenossen, nämlich 11,5 Prozent,  erklärten zudem, dass sie sogar das „Recht auf Gewalt“ hätten. 11,8 Prozent befanden sie darüber hinaus, als absolut notwendig, um Frauen zu bestrafen, wenn sie ihre Ehemänner verärgerten. Für Şenol jedenfalls ist klar: Sowohl Männer als auch Frauen müssen für eine harmonische Ehe vorbereitet werden, nicht nur Frauen. Entsprechende Schulungen in Sachen Kommunikation seien daher bereits im Vorfeld wichtig. Denn meist kämen die Familien erst, wenn Probleme bereits entstanden seien.

Wie die Umfrage auch aufzeigte, führten Fälle von häuslicher Gewalt häufig zur Scheidung. Von allen Teilnehmern, sowohl Männer als auch Frauen, hielten es nur 32 Prozent für unnötig, eine Scheidung nach solchen Fällen zu vollziehen (mehr hier).

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