Belästigung: Erdoğan will auf Fragen zum Fazıl Say Urteil nicht antworten

Premier Erdoğan hat sich bisher nicht deutlich zum Say-Prozess geäußert. Doch offenbar hat er kein gutes Bild vom türkischen Ausnahme-Pianisten. Er möchte sich mit Say nicht auseinandersetzen. Dabei würde ein deutliches Signal für die Meinungsfreiheit seine Glaubwürdigkeit stärken.

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdoğan hat offenbar keine hohe Meinung von Fazıl Say. Auf die Nachfrage eines türkischen Reporters, was er denn von dem Urteil gegen den türkischen Pianisten halte, antwortete Erdoğan: „Bitte belästigen sie mich nicht mit diesen Leuten“. Das geht aus einem Bericht der Zeitung Akşam hervor.

In der Zwischenzeit hat Say eine Erklärung zu seiner Verurteilung abgegeben. In einer Mitteilung, die den DTN vorliegt, sagt er, dass er im „Namen seiner Heimat“ traurig sei über das Urteil. „Aus der Perspektive der Meinungs- und Religionsfreiheit bin ich sehr enttäuscht. Trotz meiner Unschuld wurde ich verurteilt. Unabhängig von meiner Person ist das eine beängstigende Entwicklung für mein Land“, so Say.

Zuvor wurde Say von einem Gericht in Istanbul – wegen Beleidigung der „religiösen Werte eines Teils der Bevölkerung“ – zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt (mehr hier). Say hatte in einer Twitter-Nachricht geschrieben: „Du sagst, durch die Bäche wird Wein fließen, ist das Paradies etwa eine Schänke? Ich werde jedem Gläubigen zwei Jungfrauen geben, sagst du, ist das Paradies etwa ein Freudenhaus?”.

„Mein Land, das mir immer als Inspiration diente, ist nun gegen mich”, erklärte der renommierte Pianist Say den DTN im vergangenen Jahr.

http://www.youtube.com/watch?v=F3ultzuXOlE

Mehr zum Thema:

Fazil Say-Urteil: Dağdelen sieht Gefahr eines islamistischen Staates
Justiz: Deutsche Abgeordnete protestieren gegen Fazıl Say-Prozess
Unfassbar: Erdoğan verfolgt Star-Pianist Fazıl Say wegen Twitter-Witz

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.