Explosion von Texas: Die Behörden kannten die Gefahren

In einer Düngemittelfabrik in der Nähe von Waco, Texas, ist es zu einer verheerenden Explosion gekommen. Mindestens 60 Tote und Hunderte Verletzte soll es bisher geben. Derweil werden schwere Vorwürfe laut. Die hiesigen Behörden sollen seit Jahren gewusst haben, dass sich die Tanks mit wasserfreiem Ammoniak in der Nähe einer Schule und von Wohnhäusern befanden. Offenbar hatte man zu sehr auf die zugesicherten Vorsichtsmaßnahmen vertraut.

In der US-amerikanischen Ortschaft West, gut 30 Kilometer nördlich von Waco sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet. Bei einer schweren Explosion in einer Düngemittelfabrik des Unternehmens West Fertilizer Inc. am vergangenen Mittwochabend wurden fast 100 Häuser zerstört. Fünf Blocks um das Gebäude herum ist es zu schweren Schäden gekommen, einige Anwesen sind eingestürzt. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch ein Altersheim sowie eine Schule. Bisher wird von mindestens 60 Toten und Hunderten Verletzten gesprochen. Es wird befürchtet, dass derzeit noch zahlreiche Personen verschüttet sein könnten.

Bevor es zur Detonation kam, war in der Fabrik ein Feuer ausgebrochen. Dann explodierte ein Düngemitteltank derart lautstark, dass man das Geschehen noch in gut 75 Kilometer Entfernung habe hören können.

Derweil erhebt die Dallas Morning News schwere Vorwürfe. Die texanische Aufsichtsbehörde, so das Blatt, hätte bereits 2006 gewusst, dass die Düngemittelfabrik zwei 12.000-Gallonen-Tanks mit wasserfreiem Ammoniak hatte und sich diese in der Nähe einer Schule und der Nachbarschaft befänden. Das Unternehmen gab jedoch gegenüber der hiesigen Umweltbehörde (TCEQ) an, dass die Emissionen aus den Tanks keine Gefahr darstellen würden. Diese Behauptung habe man jedoch auf Grund der erwarteten Routine-Emissionen aufgestellt und nicht im Hinblick auf die Möglichkeit eines katastrophalen Versagens.

Als Auflage für die Genehmigung durch die TCEQ sei dem Unternehmen lediglich aufgetragen worden, eine Mauer zwischen den Tanks und einer öffentlichen Straße zu errichten, um zu verhindern, dass vorbeifahrende Fahrzeuge in die Tanks rasen könnten. West Fertilizer Inc. sei einverstanden gewesen, woraufhin am 12. Dezember 2006 die Genehmigung für die Tanks erteilt worden wäre, die immer noch gültig sei.

Wasser-Sprühsystem als Vorsichtsmaßnahme

Die Dokumente, die den Dallas Morning News vorlägen, würden allerdings keinen Aufschluss darüber geben, wie lange die Tanks eventuell schon in Betrieb waren, bevor die staatliche Genehmigung überhaupt erteilt worden sei. Allerdings würden die Papiere auch keine öffentlichen Wortmeldungen für oder gegen die Anlage von Seiten der Nachbarn enthalten.

Dokumente auf Landes- und Bundesebene würden die jetzt zerstörte Fabrik als Verkäufer von wasserfreiem Ammoniak an Landwirte, nicht als Hersteller bezeichnen. In seinem Genehmigungsantrag, der im September 2006 eingereicht wurde, erklärte das Unternehmen zudem, dass sie ihre Tanks einmal am Tag auf Dichtheit kontrollieren und weitere Sicherheitsverfahren beim Befüllen oder Entleeren er folgten. Außerdem wurde erklärt, dass die Kapazität der Tanks wegen der Dämpfe nur zu 85 Prozent ausgeschöpft werde. Zusätzlich sei die Anlage mit einem Wasser-Sprühsystem im Falle einer versehentlichen Freisetzung von NH3 ausgestattet gewesen. Beschrieben wurde deren Installation als „zusätzliche Vorsichtsmaßnahme angesichts ihrer Nähe zu besiedelten Gebieten“.

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