Türkei: Ausländische Investitionen sollen Handelsbilanz-Defizit ausgleichen

Auf einer Infoveranstaltung der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (TD-IHK) in Berlin wurde festgestellt: Das Handelsbilanz-Defizit der Türkei ist ein Problem. Abhilfe können ausländische Investitionen schaffen. Dabei bietet ihnen die türkische Regierung eine Reihe von Investitions-Anreizen an.

Auf einer Veranstaltung der TD-IHK hat Wolf-Ruthart Born, ehemaliger deutscher Diplomat und derzeit Repräsentant der türkischen Investitionsförderagentur ISPAT, gesagt, dass die Türkei ein großes Handelsbilanz-Defizit aufweise. Grund: Die Türkei bezieht ihre Energie fast ausschließlich aus dem Ausland. Ankara versuche jenes Defizit, zum einen durch die Erhöhung der Exportrate und zum anderen durch eine Importsubstitutions-Strategie, zu finanzieren.

Im Rahmen der Importsubstitution sollen insbesondere Investitionen in den Bereichen der Infrastruktur, der Energiebranche und der Versicherungsbranche gefördert werden. Die türkische Regierung verspreche sich von diesem Branchen nachhaltige positive Effekte. Für deutsche Unternehmen bieten sich hier eine Reihe von Investitionsmöglichkeiten. Derzeit 5600 Unternehmen mit deutschem Kapital.

Die türkische Regierung habe ein umfassendes Förderprogramm für inländische – und ausländische Investitionen anzubieten. Dabei ist die Türkei gibt es sechs Förderregionen und vier Förderkategorien: Allgemeine Förderung, Großinvestitionen, strategische Investitionen und regionale Investitionen.

Das Hauptaugenmerk der Türkei liege im Bereich der strategischen Investitionen. Dort bieten sich für deutsche Investoren die Möglichkeit, von Vorzügen wie zum Beispiel Mehrwertsteuer-Befreiung, Zollbefreiung, Steuerermäßigungen oder Prämien zum Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung zu profitieren.

Priorität für die Türkei haben auch Investitionen im Bereich F&E (Forschung und Entwicklung). Ankara will vor allem Know-How anziehen. Denn aktuell liege der Anteil für F&E am türkischen BIP (Bruttoinlands-Produkt) bei nur 0,6 Prozent. In Deutschland liegt jener BIP-Anteil bei 3,0 Prozent.

Die deutsch-türkische Partnerschaft sei, so Born, wichtig für beide Seiten. Denn gemeinsam könne man vom riesigen Markt, der sich in der Nachbarschaft der Türkei befindet profitieren. Es sei ihm ein „Herzensanliegen“, für jene Freundschaft und Partnerschaft zu werben.

Schon im Februar fand ein Treffen des Deutsch-Türkischen CEO-Forums in Ankara statt. Deutsche Unternehmer und Politiker zeigten sich besonders interessiert an Direkinvestitionen in die türkische Energiewirtschaft. Dort wurde von Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan verkündet, dass ein zwei Milliarden Dollar schwerer Kooperationsvertrag zwischen der Anadolu Gruppe und einem deutschen Unternehmen schon bald zum Abschluß kommen soll (mehr hier).

Vergangenes Jahr hatte E.ON 50 Prozent der Anteile des Gemeinschaftsunternehmens Enerjsa erworben, welches 1996 von der Sabanci Holding gegründet wurde. Damals hatte E.ON Chef Johannes Teyssen angekündigt, dass Enerjisa bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent am türkischen Erzeugermarkt halten werde. Das entspreche einer rund 8,000 Megawatt (MW) Leistung (mehr hier).

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