Vergessene Komponisten der Türkei: Tanbûrî Mustafa Çavuş und Zekâi Dede

Tanbûrî Mustafa Çavuş und Zekâi Dede gehörten zu den wichtigsten Komponisten des Osmanischen Reiches, die die türkische Kunstmusik nachhaltig beeinflusst haben. Ihre Besonderheit lag in ihrer Fähigkeit, Elemente der Volksmusik und der türkischen Klassik zu vermengen und etwas Neues entstehen zu lassen. Doch beide und viele weitere Komponisten sind der türkischen Bevölkerung weitgehend unbekannt.

Tanbûrî Mustafa Çavuş gehört zu den bedeutendsten Komponisten der türkischen klassischen Musik des 17. Jahrhunderts. Zudem war bekannt für seine Tätigkeit als Volksdichter. Seine Werke stellen eine Symbiose zwischen der Istanbuler klassischen Musik (Kunstmusik) und der türkischen Volksmusik dar. Der Namenszusatz Tanbûrî geht zurück auf das „Tanbûr“-Instrument. Es ist ein Langhalslautentyp mit zwei bis fünf Saiten und gehört zu den vier Grundinstrumenten der türkischen Kunstmusik. Vor allem Sufis verwenden das Instrument im Rahmen des intensiven Gebetsrituals „Zikr“.

Çavuş wuchs im Serail auf und wirkte dort als Hofsänger. Den Berichten des Şeyhülislam Esad Efendi zufolge war er in der staatlichen Enderûn-Schule. Die Enderûn-Schule diente der Ausbildung von Jugendlichen zur Vorbereitung auf den Staatsdienst. Die Rekrutierung erfolgte über die Knabenlese. Esad Efendi gehört selbst zu den wichtigsten Komponisten der osmanischen Klassik.

Doch das Leben des Ausnahmekomponisten und Musikers Tanburi Mustafa Cavus bleibt weitgehend im Dunkeln, da sich nur wenige Dokumente in den Händern türkischen Musik-Historiker befinden. Seine Werke hingegen sind unvergessen. Zu seinen nach wie vor bekanntesten Werken gehört das Musikstück „Dök zülfünü meydâne gel“ („Öffne dein Haar und komm auf den Platz“), welches unter anderem durch den im Jahr 1981 verstorbenen Musiker Münir Nurettin Selçuk wieder zur Berühmtheit gelangte.

Ein weiterer bedeutender Komponist und Volksdichter der spät-osmanischen Ära ist Zekâi Dede. Er gilt als der letzte große Komponist der türkischen Kunstmusik des Osmanischen Reiches. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er beim türkischen Komponisten für Kunstmusik, Hammamizade İsmail Dede.

Anschließend trat er in den Dienst des osmanisch-ägyptischen Prinzen von Ägypten, Mustafa Fazıl Paşa und komponierte in Kairo eine Reihe von vertonten Gedichten religiösen und sufischen Inhalts („Ilahi“), welche nur bei Turkvölkern bekannt sind. Der herrschenden Meinung zufolge waren „Ilahis“ schon in vorislamischer Zeit unter den Turkvölkern bekannt. Zekâi Dede trat mit 43 Jahren dem Sufiorden der „Mevlevi“ bei. Neben zahlreichen „Ilahis“ komponierte er auch mehrere Mevlevi-Ritualmusik Stücke („Ayins“).

Zu seinen Schülern gehörten Hüseyin Fahreddin Dede, Rauf Yekta, Ahmed Rasim, Şevkı Bey’ler, Medeni Aziz, Şeyh Rıza ve Şeyh Cemaleddin Efendi’ler, Subhi Ezgi, Ahmed Irsoy (sein Sohn), Kazım Uz, Şükrü Şenozan und der armenischstämmige Leon Hancıyan.

Sowohl Tanbûrî Mustafa Çavuş, als auch Zekâi Dede sind trotz ihres großen Einflusses auf die türkische Kunstmusik, weitgehend unbekannt bei der türkischen Bevölkerung. Ausgenommen ist die Gesellschaft der türkischen Kunstmusik. Der türkische Kulturjournalist Nidayi Sevim zeigt sich empört über die kulturelle Gleichgültigkeit der türkischen Öffentlichkeit.

„Wir Türken sind Kulturbanausen. Unser Desinteresse für unsere großen Komponisten geht soweit, dass wir sogar das Haus von Zekâi Dede aus Gründen der Stadtplanung zerstört haben“, zitiert ihn das Nachrichtenportal Habertürk. Der Türkei drohe eine kulturelle Entwurzelung. Denn Kultur beginne mit der Wertschätzung der eigenen Kulturschöpfer, zu denen auch Komponisten gehören.

Mehr zum Thema:

Istanbul: Türkische Klassik soll auf die internationale Bühne
Bağlama: Berlin kürt türkische Langhalslaute zum Instrument des Jahres
Klänge des Ostens: Türkischer Musiker entwirft neuartige Gitarre

 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.