Konzert in Göppingen: Deutsch-Türken unterstützen Fazıl Say

Das Konzert von Fazıl Say in Göppingen wurde zu einem Triumphzug für den Pianisten und Komponisten. Viele Deutsch-Türken kamen auch, um Say wegen seiner Verurteilung in der Türkei ihre Unterstützung auszudrücken.

Gönül Neuen dagegen schon. Die Mitte-Vierzig-Jährige habe sich auf Empfehlung ihres Onkels, ein echter Fazıl-Say-Fan, zu dem Konzertbesuch entschlossen. „Und ich bin begeistert“, erklärt sie. Die in der Türkei geborene und aufgewachsene Neuen fühlt sich von der „Istanbul Symphony“, eine musikalische Reise über die sieben Hügel von Istanbul, an ihre Heimat erinnert.

Die Klänge der Ney, einer Rohrflöte, des Kanun, einer Zither und der orientalischen Trommeln, die von Burcu Karadag, Hakan Güngör und Aykut Köselerli gespielt wurden, fingen gemeinsam mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen die Atmosphäre der Metropole am Bosporus ein.

Doch Neuen ist an diesem Abend nicht nur wegen der Musik da, wie sie erklärt. „Ich will Fazıl Say unterstützen“, sagt sie entschieden. Die Verurteilung Says aufgrund von Twitter-Nachrichten habe sie schockiert. „Da hat man doch Angst in die Türkei zu gehen“, so Neuen. Eine Schande, dass ein international so angesehener Künstler in seiner Heimat lächerlichen Vorwürfen ausgesetzt sei. Dabei mache es sie, da sie schon seit einigen Jahren in Deutschland lebt „stolz“, und gebe ihr „ein so gutes Gefühl“, dass einem türkischen Künstler weltweit so viel Bewunderung entgegen gebracht werde. Umso bedauerlicher sei es, dass so wenig türkisches Publikum anwesend sei. „Diejenigen, die nur türkische Zeitung lesen bekommen so etwas eben nicht mit“, so Neuen.

Imge, Eda und Gizem stechen genau aus diesem Grund aus der Menge hervor. Die drei Freundinnen sind Mitte 20 und haben schon lange auf Fazıl Says Auftritt gewartet. Schon immer hätten sie ihn erleben wollen und waren deshalb umso glücklicher, ihn in Göppingen spielen zu sehen. „Es ist so erstaunlich, diese Instrumente, die Klänge, das sind unsere Wurzeln“, erklärt Imge. Genau wie Say wollen auch sie sich nicht entscheiden, sondern lieben die Mischung zwischen orientalischen und westlichen Klängen. Eda spielt Bağlama, eine traditionelle türkische Langhalslaute, Darbuka, eine Art Trommel, aber auch Gitarre.

Einen Schatten über den Abend werfe allerdings das Urteil der vergangenen Woche, so die drei Musikbegeisterten. Auch ihn sei es deshalb wichtig, an diesem Tag Solidarität zu zeigen. „Wir wollen ihn unbedingt unterstützen“, sagen sie. Doch eines ist ihnen am wichtigsten: „Er muss unbedingt wiederkommen!“

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