Türkischer Buchmarkt: E-Books verdrängen den alten Buchladen

Legt man die Bücherproduktion um, wurden 2012 im Schnitt 6,4 Titel pro türkischem Bürger produziert. Während jedoch die Verkaufszahlen bei den E-Books auf dem Vormarsch sind, ist ein landesweiter Niedergang von Buchhandlungen zu beboachten. Das decken aktuelle Zahlen des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus auf.

Rund 42.600 neue Bücher, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, wurden in der Türkei im vergangenen Jahr veröffentlicht. Ein Drittel dieser Bücher waren literarische Werke, mehr als 14.000 beschäftigen sich mit Gesellschaftskunde. Über 2.000 Bücher waren religiöse Publikationen. In etwa genauso hoch lagen die Zahlen der Titel aus den Ressorts Geschichte, Geographie und Technik. Die Gesamtzahl der Bücher, die im vergangenen Jahr in der Türkei veröffentlicht wurde lag bei über 480 Millionen, 187 Millionen davon wurden allerdings kostenlos verteilt.

Türkischer Buchmarkt wächst um die 15 % pro Jahr

Nach Angaben von Kenan Kocatürk, Generalsekretär der türkischen Verlegervereinigung, wachse der türkische Buchmarkt pro Jahr etwa 13 bis 15 Prozent. Im weltweiten Büchergeschäft tummele sich die Türkei derzeit auf Rang 15. Teils gibt es auch pfiffige Anreize, um die Türken zum Lesen zu bringen (mehr hier). Die Produktion sei auf dem Vormarsch, und die Branche in der Türkei wachse. Einen positiven Einfluss auf die Verkaufszahlen hätten zudem Schul- und Lehrbücher. Kocatürk zufolge gäbe es aber nach wie vor Luft nach oben.

Hinter der Bundesrepublik, so der Fachmann hinke man jedenfalls noch weiter hinterher: „Deutschland hat eine ähnliche Bevölkerung wie die Türkei, doch der dortige Buchmarkt hat ein Volumen von rund acht Milliarden Dollar. In der Türkei liegt dieses bei 1,5 Milliarden Dollar.“ E-Books haben numerische betrachtet mit einer Umsatzsteigerung von 100 Prozent den größten Sprung hingelegt. Wurden 2011 insgesamt 1,314 E-Books verkauft, waren es 2012 bereits mehr als 2,900 Stück. Ein Trend, den auch Amazon verzeichnet (mehr hier).

Landesweit nur noch 300 Buchhandlungen

Buchhandlungen hingegen würden langsam aber sicher verschwinden. Schon jetzt, so berichtet das Blatt weiter, gäbe es landesweit nur noch um die 300 Stück. Die kostenlose Verteilung von Schulbüchern, die es seit dem Schuljahr 2003/2004 gibt, hätte ihnen einige schwere Schläge versetzt. Gut 10,000 hätten in Folge dessen schließen müssen, fasst Kocatürk zusammen. Zudem mache der Anstieg der e-Sales mittlerweile zehn Prozent aller Verkäufe aus. „Die kostenlose Verteilung war das Richtige. Doch sie sollte nicht in der Umgebung von Buchhandlungen geschehen. In einigen unserer Städte haben wir gar keine Buchhandlungen mehr, geschweige denn in jedem Bezirk“, so Kocatürk.

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