US-Wissenschaftlerin: Türkische Außenpolitik von Paranoia dominiert

Pinar Tremplay, US-Wissenschaftlerin und Doktorandin an der UCLA, beobachtet eine politische Paranoia der AKP-Regierung. Jene Paranoia richte sich gegen alle Personen, die die Politk der AKP kritisieren. Die Regierung erwarte nur Lob und Unterstützung.

Die amerikanische Nachwuchswissenschaftlerin Pinar Tremplay ist der Auffassung, dass die Rhetorik und Verhaltensweisen der Elite der türkischen Außenpolitik geprägt sei von Paranoia, berichtet Al-Monitor. Dies sei ungewöhnlich, denn das Selbstvertrauen eines Landes steige mit zunehmender globaler Bedeutung und Stärke.

Es gebe vier Problemfelder, an denen das paranoide Verhalten der aussenpolitischen Elite, – einschließlich aller pro-AKP Zirkel der Türkei – zu beobachten sei. Der Umgang mit Kritik benötige Geschick und Ruhe. Doch das sei in jenen Kreisen nicht vorzufinden. Dabei gehen Machtzuwachs und ein Anstieg an Kritik Hand in Hand. Es sei völlig normal, dass der Ton gegen die türkische Regierung schärfer werde. Die Nutzung der sozialen Medien spielen hier auch eine wichtige Rolle.

Aussenpolitik sei weltweit weitgehend bestimmt durch kleine Gruppen innerhalb der nationalen Regierungen. Sie verfügen über alle Informationen, die wichtig seien für die Entscheidungsfindung. Analysten und Wissenschaftler hingegen verfügen über eine begrenzte Anzahl an Infos und können die Welt nicht aus dem Blickwinkel eines aussenpolitischen Regierungsmitarbeiters betrachten. Deshalb sei es nicht richtig, Feststellungen oder Analysen mit den Worten „sie wollen die Türkei isolieren“ abzutun.

Ein weiteres Attribut der AKP sei, dass jene, die neo-osmanische Ambitionen kritisieren oder nur anzweifeln, sich automatisch als Feinde und Kollaborateure abgestempelt sehen müssen. Ihnen werde die Torpedierung jener Ambitionen vorgeworfen. Doch Kritiker dieser Politik seien nicht zwangsläufig gegen neo-osmanische Ideen, sondern weisen auf die Risiken hin, die durch den Neo-Osmanismus hervorgerufen werden könnten.

Das größte Anzeichen der AKP-Paranoia seien die persönlichen Attacken und Anschuldigungen gegen Individuen, die der AKP ihre Lobpreisungen verweigern. Dabei wird sogar eine neutrale Haltung als Angriff eingestuft.

Die Türkei habe in den vergangenen Jahren eine Reihe von wichtigen politischen und wirtschaftlichen Errungenschaften hervor gebracht. Doch diese drohen zu verblassen.

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