Boston: US-Behörden vernehmen Eltern der Verdächtigen in Russland

Zwei Tage, nachdem die US-Staatsanwaltschaft Anklage gegen Dschochar Zarnajew erhoben hat, sollen US-Behörden nun bereits im Süden Russlands zugange sein, um dort seine Eltern zu befragen. Zuvor waren neue Details über die jüngsten Aktivitäten der beiden Brüder in den USA als auch über ihre Familie aufgetaucht.

Wie ein Mitarbeiter der US-Botschaft mitteilte, seien die Amerikaner im Zuge der nach wie vor andauernden Ermittlungen von Moskau aus in die überwiegend muslimische Republik Dagestan gereist. Das berichtet Fox News. Das Team, so der anonyme Informant weiter, würde hier mit dem russischen Inlandsnachrichtendienstes FSB zusammenarbeiten (mehr hier).

Bereits an diesem Mittwoch soll die Mutter von Dschochar und Tamerlan Zarnajew, die von den US-Behörden verdächtigt werden, den Anschlag in Boston verübt zu haben, im FSB-Gebäude in der Hauptstadt der Konfliktrepublik im Nordkaukasus Machatschkala vernommen worden sein.  Zubeidat Zarnajewa, die im vergangenen Juni wegen Ladendiebstahls in den USA verhaftet wurde, erklärte der Associated Press, dass ihr Sohn Tamerlan die Zeit bei seinen Verwandten in Russland im vergangenen Jahr sehr genossen habe. In ihr Heimatdorf in einer bergigen Region Dagestans, die als eine Brutstätte einer ultrakonservativen Strömung des Islams, des Wahabismus bekannt ist, sei er jedoch nicht gereist. Die Eltern glauben an die Unschuld ihrer Söhne (mehr hier).

Zwischenzeitlich, so schreibt das Medium weiter, seien auch neue Details über den älteren der beiden Brüder, der im Zuge eines Schusswechsels mit der Polizei getötet wurde, ans Tageslicht gekommen sein. Demnach soll der 26-Jährige nach Angaben von April Walton, Ladenbesitzer aus  New Hampshire, bereits im Februar zwei Mörser-Kits gekauft haben. Gezahlt habe er 200 Dollar in bar. Dabei sei Tamerlans Führerschein ins System eingescannt worden. Bereits am vergangenen Freitag habe das FBI den Laden untersucht, Mitarbeiter befragt und die Computer überprüft. Seiner Einschätzung zufolge sei das aus den Kits gewonnene Schießpulver allerdings nicht ausreichend gewesen, um die beiden Bomben vom Boston Marathon zu zünden.

Wie der Boston Herald derweil berichtet, hätten Tamerlan, seine Frau Katherine Russell Zarnajew und die gemeinsame dreijährige Tochter von staatlichen Sozialleistungen gelebt. Die Unterstützung lief jedoch bereits 2012 aus. Der Anwalt der Witwe behauptet derzeit, dass sie bis zu 80 Stunden pro Woche gearbeitet hätte, während ihr Mann zuhause gesessen hätte. „Die beiden Brüder haben zum Zeitpunkt des Vorfalls keine Leistungen bezogen und haben auch in diesem Jahr keine erhalten“, zitiert das Blatt Alec Loftus, vom Massachusetts Health and Human Services. Die Eltern hätten ehemals Übergangshilfe erhalten. Dschochar und Tamerlan hätten diese über ihre Eltern erhalten, als sie jünger gewesen seien.

Bisher, so schreibt Fox News weiter, sei der Leichnam des 26-Jährigen weder von seiner 24-jährigen Witwe noch von seinen Eltern eingefordert worden. ABC News berichtete am Dienstag, dass die medizinischen Prüfer ihre Autopsie abgeschlossen hätten und der Körper bereit für die Beerdigung sei. Derweil hätten die Anwälte der jungen Frau mitgeteilt, dass  sie alles tue, was sie könne, um die Untersuchung zu unterstützen und dass  sie um die Opfer der Bombenanschläge trauere.

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