Skandal: NSU-Opfer von Polizei als „Schmarotzer“ bezeichnet

Die Skandale um die NSU-Affäre wollen nicht abreißen. Das NSU-Opfer Süleyman Taşköprü soll in einem Dokument der Hamburger Polizei als „Schmarotzer“ bezeichnet worden sein. Doch Taşköprüs Familie würde das nicht wundern. Sie hat ihren Glauben an den deutschen Staat und seine Behörden schon längst verloren.

In einer Fallanalyse des LKA Hamburg, welche dem NSU-Untersuchungsausschuss vorliegt, soll das NSU-Opfer Süleyman Taşköprü als „Schmarotzer“ bezeichnet worden sein. Die Hürriyet hat hierzu Teile eines Anhörungs-Dokuments des NSU-Ausschusses veröffentlicht. Eine Sprecherin des Bundestags teilte den DTN mit, dass die von der Hürriyet zitierte Stelle  aus einem Stenografischen Protokoll einer Sitzung des    Untersuchungsausschusses stammt.

Im Gespräch mit den DTN, sagte die Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft der Partei DIE LINKE, Christiane Schneider, dass dieser Vorfall im Rahmen einer Anhörung des NSU-Ausschusses im Juni 2012 ans Tageslicht kam.

Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen zum Mord an Taşköprü wurden von der Polizei rassistische Motive ausgeschlossen. Stattdessen standen Familienangehörige des Opfers unter Mordverdacht. Die Anwältin der Schwester von Taşköprü, Angela Wierig, sagte im vergangenen Jahr im Gespräch mit der tagesschau, dass die Ermittler im Fall Taşköprü nicht nur auf dem rechten Auge blind gewesen seien, sondern sie auch das Gefühl habe, dass sie beide Augen zusammengekniffen, sich die Finger in die Ohren gesteckt und laut „Lalala“ gesungen haben.

Der 31-jährige Obst- und Gemüsehändler Süleyman Taşköprü wurde am 27. Juni 2001 in Hamburg-Bahrenfeld im Laden seines Vaters mit drei Kopfschüssen ermordet. Seine Leiche wurde von seinem Vater gefunden. Taşköprü stammte aus Afyonkarahisar und hatte eine 3-jährige Tochter.

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