Platz für 10.000 Menschen: Türkei baut neues Flüchtlingscamp in Mardin

Die türkischen Behörden haben damit begonnen, eine weitere Zeltstadt für syrische Flüchtlinge zu errichten. Diese soll rund 10.000 Menschen aufnehmen können. Gebaut wird im Distrikt Midyat in der Provinz Mardin.

Wie der Gouverneur des Distrikts Midyat, Oğuzhan Bingöl, an diesem Freitag verlauten ließ, sollten die Bürger der Gegend die syrischen Flüchtlinge als Gäste betrachten. „Wir könnten unter Beschuss wie sie sein. Wir müssen Empathie  entwickeln“, so sein Appell. Die Zeltstadt für die rund 10.000 syrischen Bürgerinnen und Bürger solle in gut eineinhalb Monaten fertig gestellt sein. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Bereits 260.000 Syrer in die Türkei geflohen

Derzeit befinden sich rund 400.000 Syrer vor den seit mehr als zwei Jahren andauernden Unruhen in ihrer Heimat auf der Flucht. Nach Schätzungen der UN sind dabei insgesamt mehr als 70.000 Menschen ums Leben gekommen. Nach Zahlen des türkischen Katastrophenschutzministeriums (AFAD) vom vergangenen Februar gibt es derzeit insgesamt 14 Flüchtlingslager in der Türkei: Diese umfassen fünf Zeltstädte in Hatay, drei in Gaziantep, zwei in Sanliurfa und je eines in Kahramanmaraş, Osmaniye, Adana und Adiyaman. Darüber hinaus stehen drei Containter-Städte in Gaziantep, Sanliurfa und der südlichen Provinz Kilis zur Verfügung. Seit Beginn der Aufstände im März 2011, so wird geschätzt, sind rund 260.000 Syrer allein in die Türkei geflohen.

Derzeit suchen die Menschen Zuflucht in den diversen Flüchtlingslagern und Häusern in den verschiedensten Teilen der Türkei. Derweil droht ihre Heimat zu zerfallen (mehr hier).

Türkei weicht Aufenthaltsbestimmungen auf

Alles in allem stellt sich das Land auf eine längerfristige Situation ein. So hat die Türkei bereits einige einschlägige Gesetze aufgeweicht, um den Syrern den Aufenthalt in der Türkei nicht zusätzlich zu erschweren. Gemäß einer neuen Verordnung des Innenministeriums, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, drohe ihnen nun keine Strafe mehr, falls sie ihr Visum und ihre Aufenthaltserlaubnis überziehen sollten. Vor dieser Neuerung war es Syrern, die ihre Erlaubnis überzogen, zunächst nicht gestattet, wieder in die Türkei einzureisen. Nun drohe ihnen ein solches Verbot oder eine Geldstrafe nicht mehr. Heute leben in Provinzen wie etwa Hatay, Kilis, Gaziantep, Şanlıurfa und Mardin viele Syrer, die mit ihrem ganz normalen Reisepass und einem zeitlich begrenzten Visum in die Türkei gekommen sind. Zunächst wurden diese Visas von 90 Tage auf fünf Monate, schließlich auf ein Jahr verlängert. Darüber hinaus wird den Syrern gestattet, ihr Fahrzeug in der Türkei weiter zu führen, selbst, wenn sie dafür keine offiziellen Papiere vorlegen könnten.

Bereits vor einiger Zeit wurde von Ankara zudem ein Koordinations-Gouverneur ernannt (mehr hier), der sich eigens mit den Problemen der Flüchtlinge auseinandersetzen soll. Er ist verantwortlich für alle Aspekte der Organisation des Lebens, die Syrer in der Türkei betreffen, einschließlich der öffentlichen Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung.

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