Mehr Frauen im Job: Familienministerin Şahin fordert flexiblere Arbeitszeiten

Die türkische Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin appelliert an die Arbeitgeber des Landes. Um mehr Frauen in den Arbeitsmarkt einzubeziehen, fordert sie nun flexiblere Arbeitszeiten. Nur so könne der Spagat zwischen Familie und Karriere tatsächlich gelingen.

In einem von Vodafone organisierten Treffen, auf dem Neuigkeiten der hauseigenen Pro-Women Initiative vorgestellt wurden, wies die türkische Familienministerin Şahin daraufhin, dass Frauen in Halbtagsjobs oder flexible Arbeitszeiten in entwickelten Ländern durchaus gang und gäbe wären. Damit kämen die Arbeitgeber den Frauen entgegen, die auch Verantwortung als Mütter und Ehefrauen hätten. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Şahin verwies in diesem Zusammenhang auf die Situation in Österreich und Finnland, wo die Erwerbsquote von Frauen bei 69 Prozent läge. 45 Prozent von ihnen hätten allerdings Teilzeitjobs. In der Türkei, mahnt die Politikerin, brauche es hingegen noch einen Wandel der Mentalität innerhalb der Gesellschaft, um ein solch flexibles System zu etablieren. Dies würde dann auch die Grundstruktur für mehr Beschäftigung von Frauen schaffen. Bereits im April 2012 wies Arzuhan Doğan Yalçındağ, Präsidentin der Doğan TV Holding, darauf hin, dass es eine starke Korrelation zwischen wirtschaftlichem Wohlstand und der Gleichheit zwischen Männern und Frauen gebe (mehr hier).

Anteil der beschäftigen Türkinnen ist gesunken

Die Mahnung der Ministerin kommt nicht von Ungefähr: Erst Mitte März dieses Jahres wurde bekannt, dass trotz zahlreicher Bemühungen in der Türkei, für eine Gleichstellung der Geschlechter im Berufsleben zu sorgen, die Rate der Frauen innerhalb des türkischen Arbeitswelt um ganze zehn Prozent zurückgegangen war. Das gab Zahidul Huque vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) bekannt. Waren im Jahr 2000 noch 40 Prozent Frauen auf dem türkischen Arbeitsmarkt vertreten, sei deren Anteil im Jahr 2012 auf gerade einmal 27 Prozent bzw. bis Anfang 2013 auf unter 30 Prozent abgesunken, so Huque im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet.

Als mögliche Gründe führte der Fachmann einen Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und die schrittweise Entwicklung hin zum Konservativismus in der Türkei an. Auf der einen Seite hätte die Türkei signifikante Forschritte hinsichtlich der Gesetzgebung über die Rechte der Frauen, Bildung und Gesundheit gemacht. Auf er anderen Seite wäre sie in einigen Punkten, wie etwa beim Index für geschlechtsspezifische Ungleichheit, zurückgefallen (mehr hier).

Chancengleichheit in Führungspositionen nimmt ab

Auch um die Chancengleichheit für Frauen in Führungspositionen stünde es nicht mehr zum Besten. Einst hätte die Türkei sogar eine weibliche Premierministerin, eine Innenministerin und weibliche Vertretungen vor dem Obersten Gerichtshof gehabt. „Doch heute gibt es nur noch eine Ministerin und eine Gouverneurin. Sie sehen, dass Frauen in diesem Land nicht wirklich in den Top-Positionen sind“, fasste der Fachmann zusammen (mehr hier).

Die Bemühungen von Vodafone bezeichnet die Familienministerin hingegen als vorbildhaft. Hier würde Frauen ermöglicht, entweder halbtags oder von zuhause aus zu arbeiten. So könne das wertvolle Potential der Frauen für die Wirtschaft auch voll ausgeschöpft werden. Um im Vergleich mit anderen Ländern aufzuholen, bedürfe es in der Türkei insgesamt neuer Trends in punkto Technologie und Wirtschaft.

Die Pro-Women Initiative von Vodafone zielt darauf ab, die technologischen Bedürfnisse von Frauen zu befriedigen und ihnen gleichzeitig dabei zu helfen,  von den unternehmerischen Chancen zu profitieren. Vodafone, das eine Vielzahl von derartigen sozialen Projekten zur Unterstützung von Frauen betreibt, kündigte in der Sitzung an, dass man alle Programme unter einem Dach zusammengefasst habe.

Mehr zum Thema:

Vorbild EU: Türkischer Kinderanteil wird signifikant fallen
Bildung, Beruf, Ehe: Istanbul ist die frauenfreundlichste Stadt der Türkei
„125 Women Of Impact“: Zwei Türkinnen gehören zu den einflussreichsten Frauen der Welt

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.