Botschafter zuversichtlich: Türkisch-österreichische Beziehungen gedeihen prächtig

Nach Ansicht des österreichischen Botschafters in der Türkei, Klaus Wölfer, haben sich die bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich in den vergangenen deutlich verbessert. Auch in seiner Heimat tue sich einiges. Die dortige Wahrnehmung der Türkei habe sich gewandelt.

Im Gespräch mit der türkischen Zeitung Zaman unterstrich der österreichische Botschafter in der Türkei, Klaus Wölfer, dass viele Österreicher in die Türkei kämen, um hier ihre Ferien zu verbringen, aber auch um an wissenschaftlichen Konferenzen teilzunehmen oder Geschäftstreffen wahrzunehmen. „Diese Verbindungen wurden in den vergangenen Jahren deutlich gestärkt und tragen zur Qualität der Beziehungen zwischen den beiden Ländern bei.“

In diesem Zusammenhang stellte der österreichische Gesandte heraus, dass die negative Wahrnehmung der Türkei in Österreich sich ebenfalls verändern würde (mehr hier). Zudem sei Österreich in Sachen Direktinvestitionen in die Türkei unter den EU-Ländern bereits in den vergangenen drei Jahren führend. Auf der anderen Seite versuche man aber auch, türkische Investitioren nach Österreich zu locken.

Botschafter Wölfer: Einladung an türkische Investoren

Türken, die in Österreich leben würden und umgekehrt Personen, die Deutsch sprächen und in der Türkei wären, könnten eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der derzeit ausgeglichenen, bilateralen Beziehungen spielen, so der Botschafter. „Meiner Ansicht nach sind diese Menschen wie das Blut eines wirtschaftlichen Organismus.“

Derzeit betrage das Handelsvolumen zwischen der Türkei und Österreich rund zwei Milliarden Dollar. Das, so der Botschafter, sollte verbessert werden. Auch auf dem Gebiet der Investitionen könne noch eine Menge getan werden. Gerade in den Bereichen Forschung und Entwicklung gebe es für türkische Unternehmen in Österreich jede Menge Investitionsmöglichkeiten. Zudem sei  das Land ein ideales Sprungbrett, um von dort den osteuropäischen Markt anzugehen.

Selbstverständlich verfolge Österreich auch den derzeitigen Friedensprozess zwischen der türkischen Regierung und der PKK genau. So habe ein Botschaftsangehöriger erst kürzlich gemeinsam mit Kollegen aus anderen Vertretungen dem Bürgermeister von Diyarbakır einen Besuch abgestattet. Schließlich wolle man den Prozess nicht nur aus den Medien verfolgen. Man habe selbst erlebt, dass die Menschen im Südosten des Landes hoffnungsvoll auf diesen Prozess und eine Lösung blickten. Insgesamt, so wurde ihm berichtet, sei auch weniger Angst vor Terroristen zu spüren gewesen. Natürlich sei man aber nach den Erfahrungen mit gescheiterten Verhandlungen in der Vergangenheit auch vorsichtig. Viele Versprechungen seien gemacht worden. Nun müsse man realistisch sein. Bisher jedenfalls scheinen die Leute zuversichtlich und das Ganze reibungslos zu laufen.

Negative Wahrnehmung über Türkei im Wandel

Gewandelt habe sich auch etwas in seinem Heimatland: „Viele Österreicher fahren heutzutage geschäftlich oder für einen Urlaub in die Türkei, vor allem nach Istanbul. Sie stärken die bilateralen Beziehungen.“ Das fördere die wirtschaftlichen Beziehungen und wissenschaftlichen Konferenzen verbesserten sowohl das Niveau als auch die Qualität dieser Verbindungen. Bereits im Sommer 2012 berichtete der „Standard“ zudem über eine sich wandelnde Atmosphäre hinsichtlich eines EU-Beitritts der Türkei. Eine klare Mehrheit der Österreicher war damals zwar nach wie vor gegen einen mittelfristigen Beitritt der Türkei, ihr Anteil war allerdings auf weniger als die Hälfte geschrumpft. Das ergab eine Umfrage der Karmasin Motivforschung für das Nachrichtenmagazin „profil“. Demnach waren zu jenem Zeitpunkt 47 Prozent der Österreicher gegen eine Aufnahme der Türkei in die EU. 2010 waren es noch 61 Prozent, 2011 54 Prozent. Acht Prozent hatten sich für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei ausgesprochen.

Anlässlich des Besuchs des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan im vergangenen Februar kommentierte auch der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann die Haltung seines Landes zur Fortsetzung des Verhandlungsprozesses der Türkei mit der Europäischen Union. „Österreich ist immer für einen ergebnisoffenen Verhandlungsprozess eingetreten, der die Aufnahmefähigkeit der EU berücksichtigt. Vor einem Beitritt der Türkei würde in Österreich eine Volksabstimmung darüber stattfinden“, zitiert ihn die Tiroler Tageszeitung. Daneben sprach auch er sich für einen Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen aus. Unterstützung erfährt die Türkei auch in der Visafrage (mehr hier).

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