Umsatzmaschine Behandlungsfehler: Krankenhäuser verdienen doppelt

Wenn Behandlungsfehler auftreten, benötigen die Patienten zusätzliche Behandlung. Davon profitieren die Krankenhäuser in den USA, denn ihnen entstehen zusätzliche Einnahmen.

Krankenhäuser in den USA verdienen mehr Geld, wenn ihre Ärzte Fehler machen. Denn die Krankenversicherer zahlen ihnen die längeren Krankenhausaufenthalte der Patienten und die zusätzlichen Behandlungen. Daher gibt es für die Krankenhäuser keinen finanziellen Anreiz, ihren Patienten eine bessere Versorgung zu gewährleisten.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in The Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde. Sie basiert auf den Krankenakten von 34.256 Patienten in zwölf Krankenhäusern. Von diesen Patienten traten bei 1.820 Personen eine oder mehrere Komplikationen auf, die hätten verhindert werden können, etwa Blutgerinnsel, eine Lungenentzündung oder Wundinfektionen.

Die Forscher empfehlen eine Änderung des Abrechnungssystems, denn diese könnte dazu führen, dass die Zahl der Fehlbehandlungen zurückgeht. Unter dem aktuellen System profitieren die Krankenhäuser von ihren eigenen Fehlern. Und sie würden viel Geld verlieren, wenn sie ihre Patienten besser versorgen würden.

Die mittlere Länge eines Krankenhausaufenthalts vervierfachte sich aufgrund der Komplikationen auf 14 Tage. Die Einnahmen der Krankenhäuser pro Patient erhöhten sich entsprechend von 18.900 Dollar (15.000 Euro) auf 49.400 Dollar (38.000 Euro).

Dass die Ärzte absichtlich Komplikationen herbeiführen, um mehr Geld zu verdienen, wollen die Forscher aber nicht behaupten. „Wir glauben auf keinen Fall, dass das passiert“, zitiert die FT David Sadoff von der Boston Consulting Group.

Allerdings halte das derzeitige System die Krankenhäuser über falsche Anreize geradezu davon ab, Verbesserungen in Angriff zu nehmen. Die einzelnen Ärzte mögen anständig sein. Doch sie arbeiten in einem System, das lediglich die Zahl der Behandlungen abrechnet. Leistung und Innovation werden dadurch nicht belohnt.

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