Türkei ruft die UNESCO an: Syrische Bauwerke müssen geschützt werden

Die Türkei sorgt sich um die Kulturgüter im Nachbarland Syrien. Jetzt hat deren ständiger Vertreter in der UNESCO, Gürcan Balık, direkt an die Organisation appelliert. Sie solle sich aktiver in Sachen Denkmalschutz im Krisengebiet engagieren.

In seiner Rede vor der UNESCO-Generalversammlung betonte der ständige Vertreter der Türkei, Gürcan Balık, dass die Rolle der UNESCO in Syrien derzeit wichtiger geworden als je zuvor geworden sei. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Balık verwies in diesem Zusammenhang auf das Schicksal der Umayyaden-Moschee in der historischen Alstadt von Aleppo, immerhin UNESCO-Weltkulturerbe. Erst 2005 über mehrere Jahre komplett renoviert, geriet sie in den innersyrischen Konflikt und wurde im Verlauf der Auseinandersetzungen schwer beschädigt. Am 24. April dann der vorläufige Höhepunkt als das Minarett der Moschee einstürzte.

Es war das zweite Mal in etwas mehr als einer Woche, dass eine historische sunnitische Moschee in Syrien wurde schwer beschädigt wurde. Zuvor gab es bereits einen Vorfall Mitte April, bei dem die 1300 Jahre alte al-Omari Moschee in der Stadt Dar’a, im Zuge einer Sprengung komplett zerstört wurde (mehr hier). Die nach dem Kalifen Umar ibn al-Chattab benannte Moschee in Dar’a wurde im 8. Jahrhundert erbaut und galt als eines der wichtigsten Kulturschätze des Landes. Doch im Zuge der Aufstände wurde die Moschee auch als Organisationszentrale und Versammlungsort durch Regime-Gegner genutzt. Die erstmalige Protest-Versammlung in der Moschee fand 2011 statt.

Die Entwicklungen in Syrien, so der türkische Vertreter, seien mitterweile an einem unerträglichen Punkt angekommen. Im Zuge des Bürgerkrieges seien Hunderte von historischen Sehenswürdigkeiten und Kultstätten für alle Religionen in Syrien unwiederbringlich zerstört oder beschädigt worden. Zudem würde das syrische Regime religiöse, kulturelle und historische Stätten für militärische Zwecke nutzen.

UNESCO darf Lage in Syrien nicht ignorieren

„Wir fordern das syrische Regime auf, seine Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht in Bezug auf den Schutz der historischen Denkmäler  Kunstwerke oder Kultstätten zu respektieren“, so Balık. Derzeit würdem der syrischen Gesellschaft so grundlegender Menschenrechte wie das Recht auf Leben, Bildung, Wasser und die Freiheit des Denkens und der Presse vorenthalten. Seiner Ansicht nach ginge es hier nicht nur um das kulturelle Erbe, sondern in Gänez um eine klare und gegenwärtige Verletzung der unveräußerlichen Rechte, die für die UNESCO stünden. Diese habe die Verantwortung „moralische Stimme der internationalen Gemeinschaft“ zu sein. Schon deshalb könne man die Lage in Syrien nicht ignorieren. Wenn die UNESCO relevant bleiben und ihren Ruf wahren wolle, dann sei es höchste Zeit, eine deutliche Botschaft gen Syrien zu entsenden.

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