Appell an die EU: Türkischer Alkoholhersteller-Verband will Rakı zum Nationalgetränk machen

Der türkische Alkoholhersteller-Verband (GİSDER) hat sich am vergangenen Sonntag an die Europäische Union gewandt. Sie soll Rakı künftig als türkisches Nationalgetränk anerkennen. Stein des Anstoßes waren Äußerungen des türkischen Premiers Erdoğan, der diesen Status für ein nicht-alkoholisches Getränk beansprucht hat.

Die Debatte über das Nationalgetränk der Türkei wurde entfacht, so die türkische Zaman, nachdem Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan dieses vor kurzem mit Ayran, einem traditionellen Getränk aus Joghurt, und nicht etwa mit Bier oder einem anderen alkoholischen Getränk angegeben hatte. Zugetragen hatte sich das Ganze während der Eröffnung des Globalen Alkoholpolitik Symposiums am vergangenen Mittwoch.

In seiner Rede zeigte sich Erdoğan wenig erfreut über die Politik der Vergangenheit, die alkoholische Erfrischungen wie Bier als Nationalgetränk betrachtete und Alkohol zwischen 1923 und 1950 sogar in Schulbüchern als Thema behandelte. Seine Kritik: Bier und andere alkoholische Getränke seien vom damaligen Regime als gesunde Getränke beworben worden.

GİSDER will Rakı breiterer Masse bekannt machen

Nun hat GİSDER auf die konservative Sichtweise des Premiers reagiert und sich an die EU-Kommission gewandt. Diese solle Rakı nun als türkisches Nationalgetränk eintragen. Im Gespräch mit Journalisten, erklärte der Vereinspräsident, Egemen Demirtaş, dass es die Absicht des Verbandes sei Rakı auch den breiteren Massen vorzustellen. Immerhin sei das Getränk gerade in Europa noch wenig bekannt. Auf der anderen Seite steigt in der Türkei jedoch der Absatz von Whiskey (mehr hier).

Erdoğans Äußerungen, so das Blatt weiter, hätten in der Folge zu einer breiten Debatte etwa auf Twitter und Facebook geführt. Dort diskutierten die User nach Ansicht welcher Partei wohl welches Getränk als Nationalgetränk zu betrachten sei. Das Ergebnis: Ayran stehe für die regierende AKP, Rakı für die wichtigste oppositionellen Republikanische Volkspartei (CHP), Koumiss (vergorene Stutenmilch) für die nationalistische Volkspartei (MHP) und geschmuggelter Tee für die pro-kurdische BDP.

Alkoholverbot in Afyonkarahisar gekippt

Der Schaden, der Alkoholkonsum für Einzelpersonen, Familien und die Gesellschaft als Ganzes anrichten könne und die möglichen Strategien, die von der Türkei und anderen Ländern übernommen werden könnten, wurden während des zweitägigen Symposium in Istanbul am vergangenen Freitag und Samstag diskutiert.

Erst Ende März dieses Jahres kippte ein Verwaltungsgericht in der Ägäis-Provinz Afyonkarahisar jedoch ein Verbot von Alkohol im öffentlichen Raum aus dem vergangenen Jahr. Nach Ansicht des Richters fehlte dem im Sommer 2012 kontrovers diskutierten Verbot „eine gesetzliche Grundlage“ (mehr hier). Bereits im Sommer vergangenen Jahres sorgte das kurzfristige Alkoholverbot für eines der größten Musikevents in Istanbul, dem One Love Festival, für großes Aufsehen vor allem unter jungen Leuten. Diese Entscheidung hatte in der Folge auch Auswirkungen auf die Location. Gleich mehrere Veranstaltungen, die in Santral Istanbul stattfinden sollten, wurden abgesagt und an andere Orte verlegt (mehr hier). Auch hier hatte Recep Tayyip Erdoğan seine Finger im Spiel. Seines Erachtens war der Campus kein passender Ort, um sich zu betrinken.

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